Mad Max: Fury Road

© Warner Bros. Pictures Germany
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„You will arrive at the gates of Valhalla, shiny and chrome!“

Unter einem stahlblauen Himmel liegt brennend heißer Wüstensand, auf dem donnernde Maschinen entlangbrettern. Am Kühlergrill eines dieser kantigen Gefährte hängt ein schlapper Mann mit Metallmaulkorb, der durch einen Schlauch mit dem Fahrer verbunden ist. Die Kriegsmaschinerie läuft auf Hochtouren, Trommeln und eine ausgeflippte E-Gitarre begleiten die wilde Jagd auf einen tonnenschweren Koloss, der geradewegs auf einen monströsen Sandsturm zurast. Der Mann am Kühlergrill: der titelgebende Mad Max a.k.a. Max Rockatansky, die Frau im verfolgten Schlepper: Imperator Furiosa, die mit dem Diebstahl der zur Zucht bestimmten Frauen diese gigantische Verfolgungsjagd eingeleitet hat.

Jagen und Gejagtwerden – genau genommen ist damit die grundlegende Handlung von Mad Max: Fury Road erzählt. Der Fokus des Sequels/Prequels liegt eindeutig nicht auf dem Aufbau einer noch nie dagewesenen Handlung. Stattdessen zelebriert George Miller, der bereits in den ersten drei Mad Max Filmen Regie führte, überbordende Action-Szenen, die Augen und Pulsschlag des Zuschauers fesseln. Das Ganze ist dabei so stimmig choreografiert und detailverliebt in Szene gesetzt, dass zu keiner Zeit Langeweile aufkommt. Immer wieder überrascht der Film mit neuen extravaganten Fahrzeugen, Waffen, Landschaftveränderungen, auf die die Protagonisten eingehen müssen oder mit unvorhergesehenen Handlungen der Figuren.

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Dem äußerst wortkargen und eher einfach angelegten Mad Max wird eine für Actionfilme ungewöhnliche Vielzahl von Frauenfiguren an die Seite gestellt, was einen besonderen Reiz von Mad Max: Fury Road ausmacht. Neben der abgebrühten und sehr facettenreichen Furiosa (Charlize Theron: perfekt besetzt), kämpft eine Gruppe leicht bekleideter Amazonen für ihre Befreiung von der Tyrannei der Männer – Stunts mit Schwangerschaftsbauch inklusive! Im weiteren Verlauf gesellt sich noch eine Truppe älterer Frauen dazu, die nicht nur badass Motorrad fahren und kämpfen können, sondern auch entscheidend am Ausgang des Final Fights mitwirken. Besonders stimmig ist die Beziehung zwischen Max und Furiosa, die zwar dann und wann die Grenze zur Romantik touchiert (immer mit einem Augenzwinkern – man denke an die Fast-Kuss-Szene), aber die beiden als gleichberechtigte und gleich starke Partner etabliert. Eine weitere positive Überraschung ist der Auftritt von Nicholas Hoult, der als Warboy Nux so ganz nebenbei die wohl größte charakterliche Entwicklung durchmacht.

Obwohl den ausladenden Actionsequenzen in Mad Max: Fury Road die meiste Screentime gegeben wird, gelingt es, die Atmosphäre und Exotik der angelegten Welt ausreichend zu entwickeln. Anstatt die Lebensbedingungen und Regeln der Wüstenwelt mit dem Holzhammer zu erklären, werden dem Zuschauer nur kleine Brocken und Bilder hingeworfen, die sich nach und nach zu einem Gesamteindruck verdichten. Dass Mütter und gesunde Kinder in der kruden Hierarchie und der vom Tyrannen Immortan Joe geführten abstrusen Religion eine wichtige Rolle spielen, wird mit kurzen Szenen und Bildern vermittelt. Frauen mit riesigen Brüsten in einer Art Melkstation, die grenzenlose Freude über ein gesundes Kind, der gesundheitliche Verfall der Menschheit und vor allem der Anführer, den eigenen Furunkeln Gesichter aufmalen und ihnen Namen geben – über solch eigenartige Szenen definiert sich die Welt von Mad Max und wird dem Zuschauer mit großer Leichtigkeit näher gebracht. Hinzu kommt die Detailverliebtheit in der Ausstattung – kein Gürtel, kein Lenkrad, kein Staubkörnchen, auf das nicht noch irgendwie ein kleiner Totenkopf gemalt werden konnte. Das Design von Kostümen, Fahrzeugen und Architektur in Mad Max: Fury Road vermag durch absolute Übertriebenheit zu überzeugen. Es ist, als hätte ein irres Kind in der Mad-Max-Spielzeugkiste gekramt, um dem coolen Auto noch schnell größere Räder, Stacheln, Nieten, rostige Totenkopf-Verziehrungen, wackelnde Speere, blitzende Chromteile und monströse Auspuffrohre zu verpassen. Die Kostüme und außergewöhnlichen Bemalungen der Wüstenbewohner passen sich diesem Stil an und warten ebenfalls mit einem hohen Maß an Andersartigkeit und Wildheit auf.

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Bemerkenswert sind auch die außergewöhnlichen Kulissen und Landschaften, in die die verrückt gekleideten Figuren in ihren überladen ausgestatteten Fahrzeugen gesetzt werden. Obwohl der Großteil des Films vom Blau und Orange (Komplementärkontrast, anyone?) der Wüstenlandschaft dominiert wird, finden sich immer wieder neuen Landschaften und Situationen, in denen sich die Szenen abspielen. Sei es nun die wellige Wüstenlandschaft mit ihren Dünen, eine zerklüftete Schlucht oder eine unwirkliche Sumpfszenerie – jede Umgebung bietet ihren eigenen Reiz und eigene Gefahren und sorgt für visuelle und dramaturgische Abwechslung. Einen ebenfalls elementaren Beitrag zur dichten Atmosphäre von Mad Max: Fury Road leistet die musikalische Untermalung, die zwischen rythmischen Metal-Klängen und klassischer Musik pendelt. Die Musik passt sich perfekt der aufgepeitschten Stimmung und Dramatik der Actionsequenzen an, außerdem nehmen die modernen Elemente der Musik von Tom Holkenborg aka Junkie XL immer wieder gekonnt Elemente der epischen Ausschnitte aus Guiseppe Verdis Totenmessenvertonung Messa da Requiem auf.

Alles in allem ist Mad Max: Fury Road ein stimmiger und überaus unterhaltsamer Actionfilm mit handgemachten Stunts auf hohem Niveau, einer detailverliebten Ausstattung und dichter Atmosphäre. Neben den zahlreichen, mitunter sehr ausufernden Actionsequenzen kann vor allem die Welt, in der die Handlung angesiedelt ist, überzeugen und begeistern. Beeindruckende Bilder und Landschaften und auch die hämmernde Musik macht den Film zu einem besonderen Erlebnis, das am besten auf der großen Leinwand genossen werden will. Mad Max Neulinge (wie zum Beispiel die Autorin dieser Zeilen) sollten keine Probleme haben, sich in die Handlung einzufinden, ausladenes Mad Max Vorwissen ist für den Genuss des Films nicht notwendig. Von mir aus kann die Fortsetzung kommen.

Bewertung: 10/10

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