Männertag

© Universum/Walt Disney Studios Motion Pictures Germany GmbH
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Jedes Jahr am Vatertag wollen sich die Schulfreunde Stevie, Chris, Peter, Klaus-Maria und Dieter an ihrem geheimen See im Wald treffen. Nach wenigen Jahren aber versandet diese Tradition und Kontakt haben sie erst wieder, als Dieter unvermittelt stirbt. Stevie, der Archäologe wie Indiana Jones werden wollte, ist Geschichtslehrer, Chris ist Schauspieler in einer Vorabendserie, Peter Fitnesstrainer und Klaus-Maria erfolgloser Romanautor. Gemeinsam mit Peters Sohn Paul und Andrea, der Aufnahmeleiterin von Chris‘ Serie, begeben sich die vier per Bierbike auf eine Reise zum See, dem letzten Wunsch Dieters folgend.

Wenn Kida Khodr Ramadan alias Dieter sich erhängen möchte, natürlich genau in dem Moment das Handy klingelt, er durch den Stuhl kracht und nacheinander von herabrollenden Bierfässern erschlagen wird, hat das durchaus Potenzial für eine gelungene Slapstickszene. Leider ist der Ablauf suboptimal geschnitten. Mehrfach wird, während Dieter auf dem Stuhl steht, von unten gezeigt wie sich das Polster durchbiegt. Es ist, als würde man sicherstellen wollen, dass auch wirklich absolut jeder begreift, dass das Polster bald reißen wird. Das Fallen des letzten Fasses ist dafür sehr gut getimet.

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Auf Logik legt Männertag keinen großen Wert, die Handlung muss vorangetrieben werden und für vermeintlich lustige Szenen muss auch Platz sein. Wenn Chris vor einer Horde Säufer Salz schnupft, um einem Schüler was zu beweisen, fragt man sich, wieso dieser Beweis überhaupt nötig sein sollte. Auch eine Szene am Anfang, in der Paul Elena Bubbletea anbietet, wirkt konstruiert. Wo gibt es überhaupt noch Bubbletea zu kaufen? Dass Chris eine ähnliche Frage später stellt, rettet da nichts. Eine unsinnige Sache wird ja nicht besser, wenn der Film sich dessen bewusst ist, dass sie unsinnig ist – im Gegenteil. Die Szene ist natürlich nur da, weil Paul bei seinem tollpatschigen Annäherungsversuch gefilmt und das Video davon auf Facebook geteilt wird, damit der Zuschauer auch wirklich versteht, dass der dicke einsame Junge in schwarzen Klamotten das Gespött der Klasse ist. Hier zeigt sich zudem erneut, wie lieblos Männertag geschnitten ist: Dem gezeigten Video fehlt ein Satz, der in der Originalszene vorkam. Die neu aufgenommene Szene wurde also nicht mal mit dem Original abgeglichen. Es mag vielen Zuschauern gar nicht auffallen, aber es ist dennoch ein Zeichen von Nachlässigkeit.

Männertag geizt erwartungsgemäß nicht mit Geschlechterklischees – oder überhaupt mit Klischees. Chris lässt einige schwulen- und transfeindliche Sprüche vom Stapel, aber auch wenn viele Leute gerne auf so etwas anspringen, darf man nicht dem Irrglauben verfallen, der Film sei deshalb schwulen- oder transfeindlich. Allerhöchstens der von Tom Beck gespielte, fiktive Charakter ist es, der zudem so gut wie jedes Mal sofort von Klaus-Maria dafür zurechtgewiesen wird. Abgesehen von Chris‘ Kommentaren geht der Film sehr offen und unvoreingenommen mit den Themen Transsexualität und Geschlechtsumwandlung um, was sich sicher nicht über jeden und nur über die wenigsten deutschen Filme sagen lässt.

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Einige Szenen wirken improvisiert, ein- oder zweimal hat es gar den Anschein, als wüssten die Schauspieler nicht, ob die Szene noch weiterlaufen soll, was auch den Zuschauer ratlos zurücklässt. Abgesehen davon ist das Schauspiel generell in Ordnung, Axel Stein und Milan Peschel überzeugen, bleiben aber hinter ihren Möglichkeiten zurück, Tom Beck übertreibt es etwas mit dem Overacting, Oliver Wnuk und Hannes Jaenicke liefern mit Abstand die beste Leistung ab. Besonders Wnuk spielt wunderbar, der Wandel zur Frau ist leise, aber präsent. Lavinia Wilson bleibt an den richtigen Stellen im Hinter- und steht an den richtigen Stellen im Vordergrund und spielt durchgehend glaubwürdig.

Man muss Männertag zugute halten, dass einige Witze tatsächlich funktionieren und der Film weiß, was er ist und sich nicht zu ernst nimmt. Das Ende mag konstruiert herbeigeführt sein und einige Dinge ignorieren, aber es ist für sich genommen eigentlich sehr schön, wenn auch durch den bisherigen klischeehaften Aufbau vorhersehbar. Das Ende hat einen besseren Film verdient.

Männertag ist ein Film, der als das funktioniert, was er sein will. Nur will er nicht besonders viel sein. Als stumpfe Unterhaltung für einen geselligen Männerabend mag er allemal taugen. Einige witzige Szenen und vor allem Wnuks Performance machen ihn aber auch nicht zu einem kolossalen Fehlgriff für einen normalen Filmabend.

Bewertung: 5/10

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