Man of Steel

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© Warner Bros.

Was wurde diesem Kino-Highlight entgegen gefiebert und endlich ist er da: der Mann aus Stahl! Der Coolness halber, aber auch weil man sich offensichtlich von den alten Gewohnheiten und allen vorigen Verfilmungen sowie den Comics abwenden wollte, ist auch das Wort Superman aus dem Titel verschwunden. Stehen bleibt nur der Man of Steel, klingt in Englisch ja sowieso immer alles besser. Aber kommen wir zur altbekannten Geschichte.

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© Warner Bros.

Der Planet Krypton ist nach einem fragwürdigen Streit um die Erzeugung neuer Krypton-Kinder in Streit geraten. Während Supermans Papa für die natürliche Fortpflanzung plädiert, putscht sich der fiese General Zod nach vorn und will alle Kinder weiter künstlich erzeugen. Aus irgendeinem Grund wird Krypton zerstört und das Superbaby wird durch den Weltraum auf die Erde geschickt. Dort wird es als Clark Kent von einem liebenswürdigen Farmerspaar adoptiert und großgezogen. Dass der kleine Superman dabei einige Anpassungsschwierigkeiten hat, versteht sich von selbst. Eines Tages wird der junge Mann über seine Alien-Herkunft aufgeklärt und findet schließlich ein tolles Raumschiff im Eis, in dem er mit dem Computer-Überrest seines Vaters sprechen kann und sein Outfit ausgehändigt bekommt. Gerade noch rechtzeitig wappnet sich der Supermann zum Kampf, denn General Zod landet soeben auf der Erde, um sie in ein neues Krypton zu verwandeln.

Zac Snyder schenkt den Zuschauern und Superman-Fans mit Man of Steel wieder einmal ein bildgewaltiges Action-Spektakel, dieses Mal aber in 3D. Nach anfänglichen Zoom-Ausrastern auf dem Planeten Krypton macht das 3D auch Spaß und ist sehr hübsch anzusehen. Generell weiß man, was man bei Zack Snyder erwarten kann. Er komponiert majestätische Bilder und teilweise überkitschte Landschaften und Augenblicke, dazu gibt es CGI so weit das Auge reicht und gigantische Bilder, die in die jeweilige stimmungsunterstützende Farbe getaucht sind. Für Man of Steel wurde sich größtenteils für ein stählernes Graublau entschieden, nur auf dem flammenden Planeten Krypton gibt es auch einmal ein bisschen Wärme in den Bildern zu spüren.

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© Warner Bros.

Kalt und emotionlos kommen aber nicht nur die Bilder, sondern auch die Charaktere daher, die größtenteils leider mehr als austauschbar sind. Henry Cavill macht als Superman zwar eine gute Figur und füllt den Strampler ansehlich aus, hinter seine Superfassade kann man aber leider nicht oft blicken. Schon klar, der Junge hatte eine schwierige Kindheit, er war immer ein Außenseiter und die anderen Kinder haben ihn geärgert, diese Probleme werden allerdings so oberflächlich abgehandelt und so schnell durch Supermans Superheit ersetzt, dass man sich im Nachhinein nur schwerlich an den schüchternen Jungen vom Anfang erinnern kann. Schade, denn vor allem von Clark Kents Charakter und Kindheitsgeschichte hatte ich deutlich mehr erwartet. Völlig ohne Substanz oder nachvollziehbaren Charakter geschweige denn Gefühlsregungen kommt leider auch Amy Adams alias Lois Lane daher. Mit quasi dauertränenschweren Äuglein huscht sie hier und da durchs Bild und wird immer mal wieder gerettet. Von einer modernen Auflage des Superheldenstoffes hätte man schon eine stärkere Frau an Supermans Seite erwarten können. Leider wird der Beziehung von Lois und Clark keine einzige Filmminute gespendet, die beiden sind einfach irgendwann irgendwie ein Paar. Vom Mienenspiel des Erzfeindes Michael Shannon alias Zod hätte man auch mehr als ein wenig irres Augenaufreißen erwartet, hier und da ein ordentlicher Ausraster hätte dem Ganzen vielleicht die nötige Würze verliehen. Im Grunde lieferten nur die Erden-Eltern des Superhelden Kevin Costner und Diane Lane ein annehmbares Schauspiel ab.

Man of Steel setzt seinen Fokus ganz eindeutig auf die gefühlt stundenlangen Action-Sequenzen und vernachlässigt dabei leider ein wenig die Handlung. Die Story ist eine schwierige Kiste, denn trotz tendenziell guter Schauspieler wird kaum Raum für die Entwicklung der Charaktere gelassen, sodass ein Hineinfühlen und Mitfiebern mit denselben nahezu verhindert wird. Abgesehen von diversen inhaltlichen Ungereimtheiten ruht sich Man of Steel zu sehr auf den actiongeladenen Kampfszenen aus, die sich zugegebenermaßen anfangs gut sehen lassen können. Wenn man allerdings zum 50. Mal eine Person durch ein Gebäude fliegen gesehen hat und der Kampf auch nach 15 Minuten immernoch nicht zu Ende gegangen ist, schweift man als Zuschauer gelegentlich gedanklich ab.

Insgesamt ist Man of Steel wohl eher etwas für Liebhaber und Fans der ganz großen Geste und des actiongeladenen Kinos. Auf tiefgründige Charaktere oder eine mitreißende Geschichte kann man leider lange warten. Obwohl viele Chancen verschenkt wurden, wird der Film wohl trotz allem einer der Blockbuster des Jahres werden, wie er bereits großkotzig auf der Webseite als #1 Movie in the World angepriesen wird. So schnell kann aus einem der am meisten erwarteten Filme diese Jahres eine der größten Enttäuschungen werden.

Bewertung: 5,5/10

10 Comments

  1. Pingback: MAN OF STEEL: Kritik zu Zack Snyders Superman-Reboot | ChristiansFoyer

  2. Joa, dem habe ich soeben auf meim Blog ungefähr zugestimmt. Ich mochte den Action-Kram ein wenig mehr, aber ansonsten seh ich das ziemlich ähnlich. Irgendwie wirklich mit Gefühl bei der Sache war man nie. Sehr schade, so insgesamt… und Lois Lane. Ha, ja, stimmt. Die gabs auch noch.

    1. Habs gelesen, deine Kritik klingt aber irgendwie versöhnlicher. Ich war nach dem Kinobesuch so enttäuscht, dass ich mir das Ganze wohl nicht noch einmal ansehen werde. Und ich hatte eben auch viel mehr von der Kindheit- und Jugendgeschichte erwartet. Ohnehin hatte ich wohl zu viel erwartet….

      1. ja, genau das hab ich halt nicht… da war meine Enttäuschung nach IM3 schon groesser – Superman hat mich im Vorfeld nicht genug interessiert, als dass ich da groß gefiebert hätte… aber „bester Film der Welt“ bla bla – sowas geht nie gut…

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