Now is good

Now is good
© Sony Pictures

Tessa ist 17 Jahre alt und will endlich Sex haben. Mit ihrer besten Freundin Zoey, die schon mehr Erfahrungen in solchen Dingen hat, startet sie die Vorbereitungen in der Wohnung der zwei Auserwählten. Nachdem sich die beiden Freundinnen abgesprochen haben, wer welchen Typen bekommt, startet das Projekt Entjungferung. Während Zoey schon wild mit ihrer Auswahl herumknutscht, nimmt die Verklemmtheit bei Tessa und ihrem Typen bald unangenehme Ausmaße an. Als sie sich dann endlich doch küssen, greift er leidenschaftlich nach ihren Haaren und … hat plötzlich ihre Perücke in der Hand. Völlig panisch hüpft er durchs Zimmer und schreit immer wieder: “Ich habe deinen Kopf in der Hand!“, während Tessa sich einem kleinen Lachanfall hingibt. Mit dieser Szene startet „Now is good“ und in diesem Moment ist bereits der Höhepunkt der guten Laune in diesem Film erreicht. In den restlichen 1,5 Stunden wird der Druck auf die Tränendrüse bis zum Äußersten erhöht.

„Now is good“ erzählt die Geschichte der erst 17 Jahre alten Tessa (Dakota Fanning), die nicht mehr sehr lange zu leben hat. Mit unheilbarer Leukämie gestraft, beschließt sie, die Behandlung abzubrechen und den Rest ihres kurzen Lebens ausschließlich mit Dingen zu füllen, die sie wirklich tun möchte. Mit ihrer besten Freundin Zoey (Kaya Scodelario) erstellt sie eine Liste, die sie zusammen abarbeiten wollen. Ihr Vater (Paddy Considine) würde seine todkranke Tochter aber am liebsten die ganze Zeit um sich haben und sie vor der großen bösen Welt und vor allem ihrer Krankheit zu beschützen. Tessa, durch und durch ein Kotzbrocken von einem Teenager, lässt ihn aber immer öfter abblitzen, denn zum Beispiel Drogen nehmen oder Sex haben sollte man ohne Elternteil ausprobieren. Schließlich verliebt sich die Todgeweihte in den Nachbarsjungen Adam (Jeremy Irvine) und sie starten in eine Beziehung ohne Zukunft.

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© Sony Pictures

Klingt traurig? Ist es auch! Ein lebenshungriges, todkrankes Mädchen, das in seinen letzten Monaten noch schnell alles erleben möchte, wofür andere ihr ganzes Leben Zeit haben: das ist doch einfach nur zum Heulen. Der Film steigert seinen Druck auf die Tränendrüse scheinbar exponentiell, denn obwohl dem Zuschauer von Anfang an klar gemacht wird, womit er es in den nächsten 100 Minuten zu tun haben wird, fließen die Sturzbäche schon nach der Hälfte des Films. Es wird keine Zeit gelassen, sich mal kurz zu erholen, denn abgesehen von den gelegentlichen, schrecklich traurigen Schwächeanfällen Tessas, bleibt auch bei den grausamen Wortgefechten mit ihren Vater kein Auge trocken. Tessa ist nämlich, und verzeiht mir an dieser Stelle diesen starken Ausdruck, ein echtes Arschloch. Während sich ihr Vater alle Mühe gibt, seiner Tochter ein normales Leben zu bieten und sie wie ein rohes Ei behandelt, lässt sie keine Gelegenheit aus, ihm zu zeigen, wie wenig sie seine Hilfe nötig hat. Der arme Mann, der kaum mit seinen eigenen Gefühlen klar kommt, kriegt bei jeder sich bietenden Gelegenheit sein Fett weg. Zugegeben, das Mädchen ist todkrank und dann auch noch in der Pubertät, es gibt also allerlei Gründe, warum ihr der Rest der Welt egal ist, irgendwie tut einem der arme Dad trotzdem sehr leid. Glücklicherweise wird sie ein wenig erträglicher und für den Zuschauer sympathischer, als Adam in ihr Leben tritt und sie fortan auf Wolke Sieben wandeln lässt. Ab diesem Punkt zeigt sich auch ganz deutlich, für welche Zielgruppe „Now is good“ gemacht ist. Voller Geduld und von Anfang an voll männlicher Stärke und trotzdem so verliebt, lässt sich Adam auf das krebskranke Mädchen ein. Ihre Beziehung ist geprägt von leider etwas realitätsferner Romantik und einigen Szenen, die die Grenze zur Schmalzigkeit doch des Öfteren deutlich überschreiten. Teenie-Mädchen werden es bestimmt lieben.

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© Sony Pictures

Faszinierend ist die Entwicklung des Kinderstars Dakota Fanning, die mit dieser Rolle beweist, dass sie auch erwachsenes Schauspiel beherrscht. Gekonnt gibt sie das zunächst abweisende, später hilfesuchende Mädchen und scheut sich nicht vor den ganz großen Gefühlen. Auch die anderen Darsteller beweisen ihr Können, vor allem Paddy Considine, der die Rolle des Vaters spielt, ragt mit einer außergewöhnlichen Emotionalität aus dem Cast heraus. Negativ fällt eigentlich nur Jeremy Irvine auf, der seine Rolle leider nicht sehr glaubwürdig verkörpert und in dessen Gesicht sich im Grunde nicht sehr viel abspielt. Einerseits ist das etwas schade, andererseits ist es vielleicht ganz gut, dass dieser Charakter nicht auch noch überemotional ist. Seine Wirkung auf die angepeilten Teenager-Mädchen wird er sicherlich trotzdem nicht verfehlen. Die Atmosphäre ist insgesamt stimmig und passend, hier und da kann man sogar einige schöne Bilder bewundern, die uns Regisseur und Drehbuchautor Ol Parker um die Ohren haut. Vor allem der hübsche, an Juno erinnernde Vorspann hat es mir angetan, aber auch der Tessas Drogentrip im Auto ist eine visuell sehr angenehme Szene. Parker beweist beim Aufbau und der Komposition seiner Bilder Geschmack und Können und setzt auch vermeintlich Unwichtiges gut in Szene. Auch der Soundtrack passt, obwohl man auch musikalisch an einigen Stellen weniger dick hätte auftragen können.

Insgesamt ist „Now is good“ ein stimmiger Film, der wahrscheinlich besonders Teenager mit einem Hang zur Romantik anspricht. Die meisten Figuren sind interessant und facettenreich und vor allem Dakota Fanning gelingt der Sprung vom Kinderstar zu einer wesentlich erwachseneren Rolle. An manchen Stellen trägt der Film leider etwas zu dick auf und drückt dann doch etwas zu plump auf die Tränendrüse. Auch die Bilder sind an manchen Stellen etwas zu schmalzig, eine einzelne Bank auf den Klippen vorm Ozean zum Beispiel, achso, natürlich im Sonnenuntergang, auf der sich die Protagonisten zum Kuscheln und Verträumt-ins-Meer-gucken niedergelassen haben, könnte für den einen oder anderen Zuschauer vielleicht etwas zuviel sein. Auch das Ende ist leider etwas zu dick aufgetragen und kommt meines Erachtens nach zu spät, 10 Minuten früher wäre es perfekt gewesen. Wer sein Herz für den Film öffnen kann und über die kleinen Mängel hinwegsieht, sollte jede Menge Taschentücher bereit halten, denn etwa ab der Hälfte lassen sich die Tränen nur noch äußerst schwierig zurückhalten.

Bewertung: 5,5/10

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