Only Lovers Left Alive

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© Pandora
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Wie fühlt es sich an, wenn man seit mehreren Jahrhunderten, ja Jahrtausenden auf der Erde lebt? Wenn man alle Epochen des menschlichen Werdens und Vergehens miterlebt hat? Wenn man in seiner langen Lebenszeit unbegrenztes Wissen aufgenommen hat? Wenn jedes Werk, das man erschaffen hat, ein kultureller Meilenstein war, dessen Lorbeeren man aber nicht ernten kann? Wenn man sein Leben umgeben von Zombies in der Dunkelheit fristen muss? Diesen Fragen widmet sich Jim Jarmuschs neustes Werk „Only Lovers Left Alive“ und beleuchtet das Dasein zweier Vampire, die unterschiedlicher nicht sein könnten.

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Auf der einen Seite gibt es die lebensbejahende Eve, die sich die Nächte mit der Lektüre dutzender Bücher und Wanderungen durch das eklektische Tanger um die Ohren schlägt. Auf der anderen Seite der Welt lebt der schwermütige Musiker Adam im verlassenen Detroit und kultiviert seine Selbstmordgedanken. „Only Lovers Left Alive“ ist geprägt vom Wechselspiel dieses ungleichen Paares, diesem Ying und Yang der Vampirgesellschaft, das im düsteren Detroit aufeinandertrifft. Schon in der eindringlichen Einführung in den Film wird ihre Stärke als Einzelpersonen, aber auch ihre schicksalhafte Verbundenheit deutlich, als sich die Filmbilder in hypnotischen Kreisen drehen, die den Zuschauer strudelartig einzusaugen scheinen. Ihre Beziehung wird aber nicht nur durch Adams Lebensmüdigkeit auf die Probe gestellt, sondern auch durch das plötzliche Auftauchen von Eves überdrehter Schwester Ava.

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Der Zuschauer begleitet die beiden Vampire in einem Wimpernschlag ihres unendlichen Lebens bei einigen Hochs und Tiefs ihrer Beziehung, die zwischen großer Schwermut und scheinbarer Leichtigkeit pendelt. Jarmusch spart zur Auflockerung des gewichtigen Themas nicht mit Witz und skurril anmutenden Szenen, die die beiden Protagonisten sehr liebenswert machen und zur Identifikation beitragen. In „Only Lovers Left Alive“ wird sehr bildgewaltig und hochästhetisch gearbeitet, die perfekt passenden Kostüme und Drehorte runden die Optik und die spannungsvollen Kompositionen ab. Die Musik ist wunderbar auf die Bilder und die Handlung abgestimmt, unterstützt die intensive Atmosphäre des Films perfekt und bildet auch inhaltlich einen spannenden Schwerpunkt.

„Only Lovers Left Alive“ ist ein deliziöser Filmgenuss. Mit seinen starken Charakteren, dem perfekten Cast aus Tilda Swinton und Tom Hiddleston und seiner stimmungsgeladener Handlung zieht er den Zuschauer in den Bann. Bemerkenswert ist neben der dichten Atmosphäre, den wunderschönen Bildern und der hypnotischen Musik vor allem die Herangehensweise an das Thema Vampire. Der Zuschauer wird unmittelbar mit den Vorzügen und Nachteilen des ewigen Lebens konfrontiert, was langfristig nachdenklich stimmt und dem Ganzen eine wunderbare Melancholie gibt, die die Faszination des Themas ausmacht. Das Ganze hat Lieblingsfilm-Potenzial.

Bewertung: 10/10

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