Pixels

© Sony Pictures Releasing GmbH
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2010 hat der französische Kurzfilmer Patrick Jean mit seinem 2-Minüter Pixels in der Internet-Community für reichlich Aufsehen gesorgt und nicht wenige sprachen sich für einen Langfilm der Invasion von New York in der Form von 8-Bit Kreaturen aus. Doch statt einer launigen, kleinen Produktion im Stile des Kurzfilms breitete sich der Film Pixels zu einem großen Blockbuster aus. Dabei ist die Story-Idee von Drehbuchautor Tim Herlihy gut durchdacht. Aliens missinterpretieren Video-Aufnahmen eines Arcade-Game-Wettbewerbs, die im All herumfliegen, für eine Kriegserklärung und schicken nun übergroße Versionen der Kultspiele wie z.B. Pac-Man, Donkey Kong, Pong und Tetris, um die Erde zum Spiel um Leben oder Vernichtung herauszufordern. Ihnen entgegen stellen sich die Old-School-Gamer aus den Arkaden, die als einzige wissen, was zu tun ist. Mit anderen Worten, die Nerds müssen die Welt retten. Doch da hört es schon bei Herlihy und seinem Mitschreiber Timothy Dowling weitestgehend auf. Der Rest der Handlung ähnelt eher einer Runde Tetris, bei der die Schreiber typische Klischee-Bausteine nur richtig zusammenpacken müssen, um zu gewinnen. Doch weit gefehlt, denn das Ergebnis verschwindet wie auch dieser Film aus dem Gedächtnis der Zuschauer. So wird mal eine halbgare Liebesgeschichte entworfen, dann eine alte Rivalität aufgewärmt und natürlich muss ein kleines Kind entführt werden, das vorher aber noch dazu diente, den typischen Generationen-Konflikt auszuloten. Irgendwie gab es das alles schon und besser. Dabei wäre doch genau Pixels die Chance gewesen, solche Klischee-Tonnen im Donkey-Kong-Style zu überspringen oder mit einem Hammer zu zerstören.

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Auch Columbus scheint sich dieser herzlosen Arbeitmoral zu beugen, weiß der Comedy-Veteran (Home Alone, Mrs. Doubtfire) mit Blockbustererfahrung (Harry Potter 1+2) nicht einmal visuell vollständig zu überzeugen. Einige Szenen der Invasion sind lustlos eingefügte Imitationen aus dem Kurzfilm. Andere Ideen gehen wiederum im Gesamtkonzept auf. So macht das Herzstück des Films, die Jagd auf Pac-Man, richtig Spaß, auch wenn diese inklusive der genialen Einbindung des Erfinders des gelben Beißers, Toru Iwatani, schon überwiegend im Trailer zu sehen war. Auch die Rollenverteilung unter den Gamern fasst klug das bekannte Spektrum in der Spielerszene zusammen, so gibt es den Nerd mit der buchstäblichen Liebe zum Spiel, den Nerd, der die Muster der Spiele lernt und natürlich den Cheater. Leider traute man sich nicht, eine leidenschaftliche Gamerin einzufügen, auch wenn wir schon ein Paradebeispiel dafür in der AMC-Serie Halt and Catch Fire haben. Michelle Monaghan bekommt als einzige Frau in der Hauptbesetzung nur die undankbare Rolle als Militärspezialistin und Love Interest von Adam Sandler. Dass sie die vernachlässigbarste Person im Cast ist, hat weniger mit ihrem Schauspiel zu tun, dafür muss die Schuld wieder beim Drehbuch gesucht werden.

Bei den Darstellern angelangt, stößt man auf den nächsten großen Schwachpunkt von Pixels, welcher sich nur durch das Phänomen des Publikumsmagneten erklären lässt. Denn Adam Sandler als Game-Nerd Brenner und Kevin James als etwas dümmlicher US-Präsident Cooper, die sich früher in den Arkade-Hallen herum getrieben haben, sind eine absolute Fehlbesetzung. Nicht nur spielen sie in keinster Weise ihre Rollen glaubwürdig, man sieht ihnen ihre Lustlosigkeit geradezu an. Hier wurden zwei Darsteller engagiert, die nur einen Namen haben müssen und anscheinend keinen Bezug zum Material. Es wäre vollkommen berechtigt, als Zuschauer zu zweifeln, dass die beiden jemals Spiele wie Space Invader oder Out Run angerührt haben. Auch beim Zusammenspiel von Sandler und James spürt man keinen Funken, der auf eine Freundschaft seit Kindesbeinen zwischen diesen beiden Charakteren rückschließen lässt, und das trotz einiger gemeinsamer Filmausflüge, die sich zwar qualitativ in ähnlichen Regionen wie Pixels aufhalten, aber die beiden als funktionierendes Leinwandduo präsentierten.

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Doch in dieser Kategorie ist nicht alles verloren, denn Josh Gad spielt mit Leidenschaft seine Rolle als abgedrehter Arcade-Nerd und hat auch mit Abstand die meisten Lacher auf seiner Seite. Hinter ihm folgt Peter Dinklage als selbstgefälliger Videospiel-Profi mit verrückten Fantasien und stolzem Vokuhila. Wie Gad zeigt sich der Game-of-Thrones-Star sehr spielfreudig und der Zuschauer kann in den Szenen mit den beiden endlich den Spaß haben, den man sich bei einem solchen Film erhofft. Die anderen Nebendarsteller haben kaum was zu sagen, ein Brian Cox wird wie so oft total verschenkt. Wenigstens nimmt sich Sean Bean als britischer Corporal nicht zu ernst und liefert einen netten kleinen Auftritt ab.

Der Abspann des Arcade-Game-Filmes Pixels hat einen besonderen Schmankerl zu bieten, denn die ganze Handlung wird nochmal in 8-Bit-Grafik zusammengefasst, inklusive wie die einzelnen Kämpfe gegen die be- und geliebten Videospielcharaktere in der Ursprungsform der Spiele ausgesehen hätten. Leider ist dieser Abspann das einzige Mal im kompletten Film, wo der Zuschauer eine Verbeugung gegenüber des Arcade-Phänomens verspürt. Josh Gad und Peter Dinklage haben zwar Spaß in ihren Rollen und stecken das Publikum teilweise an, doch statt gegen riesige Videospielcharaktere kämpfen sie in Pixels eher gegen ein miserables Drehbuch, einer lustlosen Regie und das blasse Haupttrio aus den katastrophal fehlbesetzten Adam Sandler und Kevin James sowie der untergehenden Michelle Monaghan. Insofern kann man nur eine Schlussfolgerung ziehen, die man schon in den 50ern von den Pinball-Maschinen kannte: „Game Over!“
(Jedoch hütet sich der Autor dieser Zeilen davor, das bekannte „Play Again?“ anzufügen.)

Bewertung: 3/10

4 Comments

    1. Jan-Gerrit Heddinga

      Naja, Adam Sandler und Kevin James sind A-Schauspieler, wenn man auf ihre Gehälter guckt 😉
      Der Film hätte um einiges besser sein können, wäre er kleiner gedacht worden mit weniger Star-Power, die ablenkt. Bei Besetzungsvorschlägen gebe ich meine Standard-Antwort: SNL-Veterane, in dem Fall von Pixels namentlich z.B. Bill Hader und Jason Sudeikis in den Rollen von Sandler/James.

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