Plädoyer für ein fantastisches Kleinod: Conan der Barbar

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Conan! What is best in life? – To crush your enemies. See them driven before you. And to hear the lamentations of their women.

Muskelberge so weit das Auge reicht, ein wallender Blondschopf, der ein komplett ausdrucksloses Gesicht umspielt, in der mächtigen Pranke ein legendäres Schwert, treue Freunde an seiner Seite auf dem weiten Weg zur ultimativen Rache – das ist Conan der Barbar, Titelfigur des gleichnamigen Genre-Klassikers aus dem Jahre 1982. Eine eigenartige 80er Jahre Vorliebe für bis ins Groteske gestählte Körper, ausgedehnte Reisen ins Land der Phantasie und bombastische Soundtracks brachte der Menschheit diesen Film, der ungerechterweise immer wieder als Trash, Schund oder totaler Quatsch geächtet wird, aber im tiefsten Inneren ein sehenswertes Kleinod des Fantasy-Genres ist. Nicht nur für frenetische Anhänger des weiterhin nicht abebbenden medialen 80er Jahre Revivals.

Im Grunde verbirgt sich hinter all den Seltsamkeiten in Conan der Barbar die recht simple Geschichte eines nach Rache dürstenden Waisenkindes. Nachdem der Kultführer Thulsa Doom und seine Mannen die Eltern Conans abschlachten, findet sich dieser nach Jahren des muskelpumpenden Sklavendaseins plötzlich als freier Mann wieder. Auf seiner Suche nach dem Erzfeind begegnet er diversen treuen Weggefährten und bekommt schließlich von König Osric (überraschend: Max von Sydow) den Auftrag, die fehlgeleitete Prinzessin aus den Klauen des Bösewichts zu befreien.

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Arnold Schwarzenegger für die Rolle des Conan zu casten, war wohl die beste Idee, die John Milius und damit der Regisseur dieses vor Pathos triefenden Films jemals hatte. Seine absolute mimische Regungslosigkeit in den allermeisten Szenen in Conan der Barbar, sei sie nun durch schauspielerisches Unvermögen oder anhaltende Gesichtslähmung ausgelöst, passt perfekt zum wortkargen und in sich ruhenden Charakter des Barbaren. Nichts schreit mehr nach überirdischem Krieger, als ein von jeglichem Ausdruck befreites Gesicht zu jeder Gelegenheit, sei es das Schlachten anderer Krieger, der Liebesakt mit der Angebeteten oder der Anblick fremdartiger Zaubereien. Hinzu kommt seine überragende körperliche Präsenz und die damit herrlich kontrastierende jugendliche Unschuld seiner Gesichtszüge. Ebenfalls als Glücksgriff erweist sich der Einsatz von James Earl Jones, der als hypnotischer Sektenführer und Schlangenbeschwörer Thulsa Doom trotz einer der vermutlich grauenhaftesten Filmfrisuren aller Zeiten alle nötige Unheimlichkeit ausstrahlt.

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Die heimliche Hauptfigur des Films ist aber wohl die recht eigentümliche Fantasy-Welt, in der sich der Zuschauer unversehens und vor allem ohne große Erklärungen wiederfindet. Das fiktive Barbarenland Hyboria wird zwar in Länge und Breite durchwandert, sodass unversehens zahlreiche grandiose Landschaftsformationen das Bild prägen, aber tiefgehende Informationen fehlen so vollständig, dass ein elementarer Anreiz des Filmgenusses daraus besteht, sich ein eigenes Bild dieser eigenartigen Welt zu machen. Es erwartet den interessierten Zuschauer ein erkleckliches Potpourri aus verschiedensten Kulturen und Ideen, so stammt Conan aus einem an Wikinger erinnerenden Volk, außerdem wird der Kontinent von Hunnen, Hexen, Urmenschen und Amazonen bevölkert, die anscheinend hier und da von Königen regiert werden. Hinzu kommt eine bunte Mixtur aus verschiedensten Religionen, zum Beispiel das buddhistisch anmutende Pilgern zahlreicher bunt gekleideter Menschen in Richtung Thulsa Doom, der anscheinend nur noch von Conan gelebten Glaube an Crom und Walhalla, merkwürdige Naturreligionen und damit verbundene Magie und schließlich recht deplatziert wirkende Elemente des Christentums (Kreuzigungen inklusive).

Diese wilde Mischung endloser Fundstücke der menschlichen Kultur zusammen mit dem stählernden (Muskel-)Spiel Schwarzeneggers und der im weiteren Verlauf reichlich verworrenen Handlung machen aus Conan der Barabar einen äußerst eigenartig anmutenden und deshalb umso interessanteren Film, der allerdings auch einige Längen und unfreiwillige Lacher zu verbuchen hat. Einige zum Teil reichlich unnötig erscheinende narrative Schlenker dämpfen hin und wieder die Spannung am Geschehen, trotzdem bleibt der Film eine unverzichtbare Erfahrung für Freunde der Fantastik.

Bewertung: 7/10

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