Prisoners

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© Tobis

Dass Denis Villeneuve ein besonderes Händchen für gute Geschichten und eine spannende Erzählstruktur hat, bewies der kanadische Filmemacher schon 2010 mit seinem oscarnominierten Werk „Die Frau, die singt“. Nun legt er mit „Prisoners“ einen grandiosen Start in Hollywood hin und zeigt uns, dass es nicht immer unbedingt die größtmögliche Explosion und der krasseste Skandal sein muss, wenn man das Publikum in seinen Bann ziehen will. Angesiedelt in einer x-beliebigen Kleinstadt in Amerika, lässt er seine Figuren eines der schlimmsten Szenarien des Elternseins durchleben: das eigene Kind verschwindet. Von der augenscheinlichen Ahnungslosigkeit der Polizei desillusioniert, sieht der Familienvater Keller Dover keine andere Möglichkeit als sich der Selbstjustiz hinzugeben, während der ermittelnde Detective Loki an seine Grenzen stößt.

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„Prisoners“ präsentiert sich düster und hoffnungslos und macht es dem Zuschauer leicht, sich in die intensive Atmosphäre des Geschehens einzufühlen. Der Film ist auf postive Art ein Thriller der alten Schule, inklusive einsamen und verhärmten Polzisten und einem unbekannten Gegenspieler, der erst ganz zum Schluss offenbart wird. Bis zu diesem ersehnten Punkt wird die Spannung unaufhörlich gesteigert, immer neue Wendungen werden eingeleitet und der Zuschauer wird voll und ganz in die Handlung gesogen. Hierbei werden vor allem die moralischen Grenzen des Publikums ausgetestet und die Frage nach einer Rechtfertigung der Selbstjustiz aufgeworfen, was nicht nur während des Films, sondern auch danach für Zündstoff sorgt. Man kommt nicht umhin sich zu fragen, welche Gewalttätigkeit und Grausamkeit diese extreme Situation in einem selbst hervorrufen könnte – was man alles für sein Kind tun würde.

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Trotz dieser ernsten Thematik, die dem Zuschauer einen Blick auf sich selbst aufdrängt, verliert man die Handlung währenddessen nie aus den Augen, die zwar in angemessenem Tempo erzählt wird, mit 153 Minuten Spielzeit jedoch stellenweise etwas langgezogen erscheint. Hier und da fragt man sich, warum diese Geschichte unbedingt diesen Umfang an Zeit braucht und wie der arme Hitchcock es damals mit knapp 60-70 Minuten hingekriegt hat. Im Grunde ist die lange Laufzeit und die für mich persönlich etwas unbefriedigende Auflösung aber Nörgeln auf hohem Niveau, denn „Prisoners“ ist ein spannender Film, der mit hervorragenden Schauspielern überzeugen kann. Jake Gyllenhaal zeigt sich von seiner besten Seite und gibt äußerst glaubwürdig den knurrigen Cop, der einen kleinen Hang zum Kontrollverlust hat, und auch Hugh Jackman passt wunderbar in die Rolle des sorgenden Vaters. Eins der Highlights im Cast ist allerdings Paul Dano, der mit seiner Performance als verwirrter Sonderling wieder einmal beweist, warum er einer der vielversprechensten Jungschauspieler Hollywoods ist.

„Prisoners“ ist ein atmosphärischer Thriller mit einer fesselnden Geschichte, der vielleicht nicht das Rad neu erfindet, aber trotzdem auf ganzer Länge ungeahnte Spannung und Intensität aufbaut. Getragen wird der Film durch die glänzenden Darstellungen der Schauspieler und die ernsten Töne, die durch die Thematik der Selbstjustiz und der plötzlich hervorbrechenden Gewalttätigkeit angeschlagen werden, fügen sich perfekt in die Handlung und stimmen den Zuschauer nicht nur für die Länge des Films nachdenklich.

Bewertung: 7,5/10

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