Rogue One: A Star Wars Story

© The Walt Disney Company Germany GmbH

Es war einmal vor langer Zeit in einer weit, weit entfernten Galaxis. Angeführt vom dunklen Herrscher Darth Vader kontrolliert das Imperium das Universum mithilfe einer Superwaffe. Der Todesstern garantiert absolute Unterwürfigkeit, denn er kann komplette Planeten mit nur einem Schuss auslöschen. Eine Schwachstelle im Inneren der Raumstation ermöglicht jedoch die totale Zerstörung der Waffe – überragende Flug- und Zielfähigkeiten der handelnden Piloten vorausgesetzt. Ist das Vorhandensein dieses Makels in der ansonsten perfekt konstruierten Superwaffe Glück? Zufall? Arglosigkeit der Erbauer? Reine Plot Convenience? 40 Jahre andauernde Diskussionen um diese Ungereimtheit haben endlich ein Ende. Rogue One: A Star Wars Story beantwortet diese und weitere Fragen, die sich Hardcore-Fans auf der ganzen Welt schon immer gestellt haben.

Die Handlung setzt kurz vor den Ereignissen von Krieg der Sterne bzw. Episode IV – Eine neue Hoffnung ein und begleitet die Konstruktion des ersten Todessternes. Für die Entwicklung der unbezwingbaren Waffe wird der Konstrukteur Galen Erso entführt, dessen Tochter Jyn muss ohne Eltern aufwachsen. 15 Jahre später ist der Bau der Waffe nahezu abgeschlossen. Jyn wird von den Rebellen angeworben, um ihren Vater zu finden und dadurch mehr Informationen über die neue Bedrohung zu bekommen. Zusammen mit dem Piloten Cassian Andor und dem Droiden K-2SO macht sie sich auf die Suche und gerät bald zwischen die Fronten eines intergalaktischen Krieges.

© The Walt Disney Company Germany GmbH

Krieg ist das richtungsweisende Schlagwort für Rogue One. Zahllose Motive werden noch stärker als in den Vorgängern aus dem Kriegsfilm entliehen und verleihen dem Geschehen eine unangenehm militärische Note. Es gibt einen überraschend hohen Body Count und damit verbundene Heldentode für das hehre Ziel, die allerdings in ihrer Wiederholung einiges an Dramatik einbüßen. Die Kurzlebigkeit der Figuren macht eine Identifikation mit ihnen und das Mitfiebern um ihr Schicksal schwierig. Der Krieg zwischen Rebellen und Imperium hingegen verknüpft geschickt die Themen und Ängste der Vergangenheit mit heutigen Problemen. Der Todesstern als ultimative Waffe erinnert an die Ängste des Kalten Krieges und hat auch hier als Metapher noch nicht ausgedient. Das Objekt des Begehrens in Rogue One ist passend zum heutigen Zeitgeist nicht die nächst größere Waffe, sondern die Information. Doch selbst die Schlacht um Daten kommt nicht ohne Star-Wars-typische Schießereien, größere Explosionen und handfeste Faustkämpfe aus. Die militärischen Operationen und Action-Sequenzen nehmen einen weit größeren Teil der Spielzeit ein als in den Vorgängern und werden zu Ungunsten der sonstigen Handlung bzw. Charakterentwicklung ausgedehnt. Eine moderne Verschiebung erfährt auch das Feindesland, das in Umgebung, Klima und Sitte deutlich an den Orient erinnert. Adjeu, kaltes Russland!

Die Fokussierung auf die Kriegsthematik verleiht Rogue One eine ungewohnte Düsternis. Dafür sorgen nicht nur die wiederkehrenden Todesszenen, sondern auch die ungewöhnlichen Figuren des Films. Anstelle hemdsärmeliger Helden oder Auserwählter auf dem Pfad der Macht bestreiten hier charakterlich eher ernsthafte Gesellen die Handlung. Trotz aller Ernsthaftigkeit bleibt leider bei den meisten Figuren die charakterliche Tiefe auf der Strecke. Die Motivation von Jyn, die die Ehre ihres Vaters retten und sein Ansehen wiederherstellen möchte, ist zwar nachvollziehbar, trotzdem stellt sich keine Identifikation mit ihr oder einer der anderen Figuren ein. Nahezu keine der Figuren hat den nötigen charakterlichen Tiefgang oder interessante Charakterzüge, die ausreichend ausgearbeitet wären, um dem Zuschauer einen Zugang zu ermöglichen. Anstelle eines sprücheklopfenden Han Solo oder eines tollpatschigen R2D2 sorgt lediglich der neue Droide K-2SO hin und wieder für Auflockerungen der ansonsten bierernsten Geschichte. Abseits dieser kurzen Einlagen hat die Erzählung die Leichtigkeit eines Christopher-Nolan-Films.

Das ist vor allem deshalb paradox, weil die Handlung neben den großen Geschichten der älteren Filme (nicht umsonst werden sie als Saga bezeichnet) geradezu unbedeutend wirkt. Die epische Geschichte um Luke und Leia im Kampf gegen ihren übermächtigen Vater und damit um das Schicksal des gesamten Universums wurde bereits in aller Ausführlichkeit erzählt. Daneben wirkt Rogue One wie eine unbedeutende Randnotiz für alle, die sich die Schwachstelle im Todesstern nie erklären konnten. Der Beginn und das Ende der Geschichte sind bereits aus Krieg der Sterne bekannt, die Rebellen bekommen die Informationen und der Todesstern wird zerstört. Damit sind alle Bemühungen, Spannung aufzubauen von Vornherein zum Scheitern verurteilt und deshalb umgibt Rogue One ein eher abgestandendes Flair. Es ist, als würden Szenen an den bereits vollständigen Erzählstrang der Star-Wars-Reihe angeklebt, die 1977 aus gutem Grund auf dem Schneidetisch entfernt wurden.

© The Walt Disney Company Germany GmbH

Da helfen auch die zahlreichen Neuerungen und Veränderungen nichts, die es in Rogue One durchaus gibt. Während Das Erwachen der Macht viele Motive und Handlungsstränge der Vorgänger wiederholt und nur geringfügig verändert hat, bietet Rogue One eine weitreichendere Frischzellenkur. Trotz einiger bekannter Gesichter bzw. Masken dreht sich die Handlung nahezu vollständig um bis dato unbekannte Figuren. Diese sind an moderne Maßstäbe der Diversität angepasst, obwohl hierbei durchaus noch Steigerungen möglich wären. Immerhin dürfen neuerdings nicht nur Frauen, sondern auch Menschen verschiedener Herkunft im Kampf zwischen Rebellen und Imperium mitmischen. Vor allem das Casting des mexikanischen Schauspielers Diego Luna für eine der Hauptrollen kann in Zeiten eines Donald Trump als Statement gewertet werden. Die Auswahl der im Gegensatz zu Daisy Ridley älteren und schauspielerisch erfahrenen Felicity Jones stellt sich als gute Casting-Entscheidung heraus, auch wenn ihre Figur nur wenig Dialoge bestreiten darf.

Stilistisch gibt es einige Neuerungen. So ist nicht nur die altbekannte Einstiegssequenz mit der ins Weltall fliegenden Schrift gewichen, auch die üblichen Themen in der Musik wurden fast vollständig ausgetauscht. Die Musik des französischen Komponisten Alexandre Desplat ist ebenso episch und passt gut zum Film, kann es jedoch nicht in Sachen Einzigartigkeit und Wiedererkennbarkeit nicht mit den bekannten Themen aufnehmen. Passend zum Kriegsfilm kommen die Kostüme und die Ausstattung in merklich dreckiger und abgenutzter Ästhetik daher, das weiße Kleid der Senatorin Mon Mothma erscheint beinahe wie ein Fremdkörper.

Alles in allem ist Rogue One: A Star Wars Story ein eher untypischer Star Wars Film, der mit seiner Düsterheit deutlich näher am Kriegsfilm angesiedelt ist als seine Vorgänger. Trotz fähiger Darsteller bleiben die Figuren in ihrer Charakterisierung recht flach und bieten sich kaum als Identifikationsfiguren an. Obwohl zunächst aufgrund zahlreicher Neuerungen unterhaltsam, wirkt der Film neben den epischen Geschichten seiner Vorgänger unbedeutend und dabei gleichzeitig zu ernst. Die zahlreichen Action- und Kriegsszenen lassen kaum Raum für Hintergrundgeschichten und Charakterentwicklung, was dem Film auch noch seinen letzten möglichen unvorhersehbaren Aspekt nimmt, da der Ausgang der Handlung bereits bekannt ist.

Bewertung: 6/10 Punkte

2 Comments

  1. Pingback: Das Kinojahr 2016 – Die Rückschau – Die Filmguckerin

  2. Pingback: Eine Zillion Rogue One Poster | Die Filmguckerin

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.