Schrotten!

© Port Au Prince Pictures
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Mirko Talhammer entstammt einer Schrotthändlerfamilie, möchte mit diesem Gewerbe aber nichts zu tun haben. Daher ist er nun unzufriedener Versicherungsvertreter, der aufgrund eines kruden Schneeballsystems bei der Kundenaquise seinem Chef 100.000€ schuldet. Just in diesem Moment holt ihn die Vergangenheit ein und er wird von zwei Mitarbeitern des Vaters auf den Schrottplatz entführt. Dort erfährt er, dass letzterer verstorben ist und schon bald tut sich eine Möglichkeit auf, gerade noch rechtzeitig an die plötzlich fällige Summe zu gelangen: Einen Zugwagon mit 40 Tonnen Kupfer zu stehlen.

Regiedebütant Zähle wurde 2012 für den Kurzfilmoscar nominiert und es wäre vermutlich die klügere Wahl gewesen, Schrotten! als Kurzfilm um den Zugraub herum zu erzählen. Zu lange braucht der Film nämlich, um an Fahrt aufzunehmen, auch Hauptdarsteller Lucas Gregorowicz wirkt in seinem Spiel über weite Teile routiniert-gelangweilt. Gegenpart Frederick Lau verkörpert Mirkos Bruder Letscho hingegen herausragend und auch der restliche Cast weiß zu überzeugen. Ist der Film aber erst mal bei der eigentlichen Story angekommen, lässt man sich gerne darauf ein und fiebert mit den Charakteren mit, auch wenn der Ausgang auf der Hand liegt.

© Port Au Prince Pictures
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Inhaltlich und formal hält man sich an gewohnte Muster: Zwei gegensätzliche, zerstrittene Brüder, die sich für ein größeres Ziel zusammen tun müssen und im Laufe des Films wieder zueinander finden. Mirkos Wandlung vom Anzugträger zum bomberjacketragenden Schrotthändler passiert dabei ohne inneren Konflikt des Protagonisten und anscheinend hauptsächlich weil es so im Skript steht. An Kameraführung und Schnitt gibt es prinzipiell nichts auszusetzen, alles ist auf einem technisch soliden Level, man bleibt aber generell auf Fernsehniveau und wagt nichts.

Schrotten! hebt sich deutlich von anderen deutschen Komödien ab, die mit Fäkalhumor und Fremdscham glänzen, und ist mit Charme erzählt. Unterm Strich ist der Film zwar nichts für die große Leinwand, gibt aber einen sympathischen Fernsehfilm ab (mit NRD, HR und Arte waren drei Fernsehsender in die Produktion involviert – ein Schelm, wer …), bei dem man sich dann auch von den diversen Ungereimtheiten in der Story nicht weiter stören lässt.

Bewertung: 6/10

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