Snow White and the Huntsman

© Universal Pictures
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Schneewittchen, die 100ste! Offenbar wurde das Märchen noch nicht oft genug erzählt, also warum nicht? Gnädigerweise haben die Drehbuchautoren die Story teilweise sehr stark abgewandelt, was dem Ganzen dann hier und da doch noch eine unerwartete Wendung gibt. Schneewitchen bzw. Snow White gibt es hier mal wieder als starke Kämpferin für Recht und Ordung zu bewundern – das aber erst gegen Ende, nachdem sie sich einige Male von verschiedenen Personen retten ließ. Vielleicht liegt es an meiner Abneigung gegenüber Kristen Stewart, aber Snow White ist als Charakter so flach – flacher gehts nimmer! Da gibts keine charakterliche Entwicklung, keine Besonderheiten, nichts was die Dame irgendwie interessant macht (sehr albern ist auch ihre engelshafte Ausstrahlung, die gelegentlich zu Wundern führt!). Sehr schade, aber vielleicht ist eben allgemein langweilig, wenn man die Herrlichkeit und Tugendhaftigkeit in Person verkörpern muss – das Böse übt da doch mehr Reiz aus. So auch die hier wirklich wundervolle Charlize Theron als böse Königin. Hervorragend gespielt ist dieser Charakter der einzig wirklich interessante Akteur in diesem Film. Herrlich dargestellt ist ihre Verzweiflung, als sie feststellt, dass sie langsam zu altern beginnt, immer wieder prüfende Blicke in den Spiegel und wirklich coole Zaubereien wie kristallartige Kämpfer und die Verwandlung in einen Krähenschwarm.

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Auch der Zauberspiegel ist toll dargestellt, so spricht er in Form von einer golden verhüllten Person zur Königin. Ein sehr interessanter und auf seine eigene Art sehr gruseliger Charakter ist der Bruder der Königin, zwischen diesem Geschwisterpaar entspannt sich auch eine spannende Beziehung. Auch der Huntsman ist nicht sehr vielschichtig, hier wird nur plump versucht, ihn durch eine Armer-Witwer-Vergangenheit interessanter zu machen. Im Grunde genommen ist nur da, um Snow White hier und da zu retten, leidend auszusehen und dem Teenagerpublikum zu gefallen. Anscheinend ebenfalls das Schicksal der Herrenwelt in Schneewittchen-Filmen. Auffallend waren auch die teilweise äußerst deutlichen Parallelen zu anderen Filmen, so gab es wie bei Disneys Schneewittchen eine sehr gruselige In-den-Wald-renn-Szene und der Waldgott (oder so) war eindeutig an denselbigen aus Prinzessin Mononoke angelehnt (wobei „angelehnt“ auch durch abgekupfert ersetzt werden kann).

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Insgesamt ist der Film wirklich schön düster und die Atmosphäre ist konsequent durchgezogen. Die Handlung ist durch die zahlreichen Änderungen der ursprünglichen Geschichte relativ spannend, obwohl man natürlich weiß, wie das Ganze enden wird – was es eben teilweise schwer macht, richtig mitzufiebern. Der Film wartet dafür mit sehr schönen Bildern und tollen Kostümen auf, es gibt eine Menge tolle Ideen (besonders cool: die kristallinen Krieger) und schöne Wendungen. Der Film ist vielleicht kein Meisterwerk und die Schauspielleistungen eher nur solide (Charlize Theron ausgenommen), trotzdem ist der Film sehenswert und unterhaltsam.

Bewertung: 6/10

One Comment

  1. Deine Kritik gibt genau meinen Eindruck wieder 🙂 Ich muss zugeben, dass ich mich sehr auf den Film gefreut hatte und dann richtig derbe enttäuscht war von der Hauptfigur. Aber Charlize Theron und die tollen Bilder haben es wirklich raus gerissen – manchmal sind die Bösen eben die Guten 🙂

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