So innovativ wie eine Pannenshow: Ohne Gnade!

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Männer sind scheiße! Und überhaupt! Na ja, außerdem ist arbeiten anstrengend. Daher macht Biene (Sylta Fee Wegmann) es sich gemeinsam mit ihrer Schwester Püppi (Sina Tkotsch) und ihrer Mutter Hilde (Catrin Striebeck) zur Aufgabe, Männer in kompromittierende Situationen zu bringen, um sie anschließend mit den Fotos und Videos davon zu erpressen. Doch das geht schnell nach hinten los, denn die ersten beiden Opfer tun sich zusammen und engagieren aus Rache einen russischen Schläger – der nicht nur blöderweise der heimliche Schwarm von Biene ist, sondern das Ganze auch noch als Mordauftrag missversteht.

Das Grundkonzept von Ohne Gnade! ist nicht gerade innovativ, aber birgt zumindest komödiantisches Potenzial. Leider wird dieses nicht genutzt, der Film kommt eigentlich nie über die Grundprämisse hinaus, da er sich selbst zu sehr zu gefallen scheint. Kaum ein Gag zündet, die Handlung wirkt grobschlächtig zusammengeschustert und nicht danach, als wäre das Drehbuch in einem Guss entstanden, wie Regiedebütantin Birgit Stein proklamiert. Zumal ihre erste Drehbuchfassung zum Zeitpunkt des Drehs 26 Jahre alt gewesen sein soll. Man hätte doch mal irgendjemanden mit Ahnung drüberlesen lassen können.

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Trotz allem hat Stein es irgendwie geschafft, einen mehr als vorzeigbaren Cast zusammenzutrommeln. Gedeon Burkhart, Christoph M. Ohrt, Martin Armknecht, Jürgen Prochnow – das sind alles Leute, die nicht selten Weltformat erreichen. Jan Fedder, Tom Gerhardt, Ralf Richter, Rolf Zacher, Thomas Heinze und Tom Beck sind zwar etwas lässiger, aber doch noch viel zu gut für diesen Film. Laut Stein soll Axel Milberg, der Terminschwierigkeiten hatte und deshalb nicht mitwirken konnte, gesagt haben: „Du verschiebst den Dreh! Das ist mein Lieblingsbuch, du verschiebst den Dreh!“ Ausgerechnet Axel Milberg, der über 150 Schauspielercredits hat. Natürlich hat man dazu nur Steins Aussage. Was diese Schauspieler in dem Drehbuch gesehen haben wollen, ist absolut schleierhaft. Da Ohne Gnade! kaum Budget hatte, kann man auch nicht vom einfachen Abgreifen eines dicken Schecks ausgehen. Bei Jürgen Prochnow liegt es ja noch relativ nahe: Die beiden waren zum Zeitpunkt des Drehs miteinander verheiratet. Helge Schneider, der bereits in Steins erstem und einzigen (und überaus mäßigem) Kurzfilm zehn Jahre zuvor mitwirkte, erscheint auch noch halbwegs plausibel: Für ihn ist sein Auftritt wahrscheinlich einfach irgendeine Art Metajoke. Bei den anderen will sich kein einleuchtender Grund finden lassen, zumal alle in unvorteilhaften Nebenrollen oder unnötigen Gastauftritten verbraten werden.

Das Editing wirkt als hätte jemand statt der Mastercopy aus Versehen eine Cutterspielwiese abgegeben. Eine Schlüsselszene in einer Metzgerei ist regelrecht zerschnitten und es fällt ziemlich schwer, dem Geschehen zu folgen. Die Tonmischung ist ebenfalls unterdurchschnittlich, ab und zu muss man schon sehr genau hinhören, um den Dialog zu verstehen. Unzählige Male werden ein paar Sekunden schnell hintereinander wiederholt, was an die Schneidekunst aus Videos von irgendeiner Pannenshow erinnert. Als weitere Parallele sind einige Stellen mit lächerlichen Soundeffekten unterlegt. Wie um den Vergleich abzurunden, versucht Ohne Gnade! fast ausschließlich mit peinlichen Situationen, den Zuschauer zum Lachen zu bringen. Dass deutsche Fernsehfilme oftmals eine Kinoauswertung erhalten, ist kein Geheimnis. Dieser Film würde bereits als Fernsehfilm durchfallen; dass er eine Kinoauswertung erfahren hat, ist eine Schande.

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Es lassen sich auch einige gute Dinge über Ohne Gnade! sagen. Erstens, Sylta Fee Wegmann spielt ganz gut. Zweitens, und damit möchte ich langsam zum Ende dieser Liste kommen, Helge Schneider wirkt als hätte er keinen Bock, was irgendwie lustig ist und natürlich auch von ihm beabsichtigt sein kann. Außerdem singt er.

Ohne Gnade! ist derart furchtbar, dass er die neunzehnjährige Karriere von Birgit Stein beendet zu haben scheint. Abgesehen von zwei Produzentenjobs hat sie zumindest seither nichts mehr im Filmgeschäft vorzuweisen. Angesichts des Großteils ihrer Filmographie muss man leider sagen: Kein großer Verlust. Ob der Film zur Scheidung von Jürgen Prochnow ein Jahr später nach zehn Jahren Ehe führte, lässt sich nicht sagen. Es wäre aber keine Überraschung. Wie Stein selbst den Film sieht, zeigt dieses interessante Interview, in dem auch ihre Aussage zu Milberg zu finden ist. Es bleibt zu hoffen, dass die meisten ihrer Aussagen lediglich aus Marketinggründen getätigt wurden. Ansonsten handelt es sich um den Inbegriff kognitiver Dissonanz („[ich hab] einen Bombenschnitt hingelegt“?! „die deutsche Antwort auf Quentin Tarantino“?!).

Bewertung: 3/10

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