Stark angefangen, stark nachgelassen: Der weiße Äthiopier

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Frank Michalka (Jürgen Vogel) hat eine bewegte Vergangenheit hinter sich und soll nun unter anderem wegen Bankraub vor Gericht. Sein Pflichtverteidiger kann sich kaum für den Fall motivieren, da er sich lieber um Klienten kümmert, die auch Geld einbringen. Die Referendarin Kleinschmidt allerdings versucht äußerst ambitioniert, zu Michalka durchzudringen – der hat nämlich seit seiner Verhaftung kein einziges Wort gesprochen.

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Der Anfang ist hervorragend gespielt und flott in mehreren Plansequenzen aufgelöst. Erst als der Film den Kernpunkt der Handlung, nämlich die Gerichtsverhandlung, erreicht, kommt alles etwas ins Stocken. Dem Zuschauer wird viel suspension of disbelief abverlangt, denn so interessant wie der Film es ihm weismachen will, ist Michalkas Geschichte leider gar nicht. So erscheint es unglaubwürdig, dass die Richterin immer mehr Überraschungszeugen oder ausschweifende Erzählungen derselben zulässt. Auch dass der geldorientierte Rechtsanwalt Weilandt sich des „aussichtslosen Falles“ annimmt, nachdem er die Hintergründe kennenlernt, ist sehr konstruiert. Warum Sophie Kleinschmidt derart engagiert an die Sache rangeht, als sie noch gar nichts über Michalka weiß, und sich über einige Regeln hinwegsetzt, bleibt auch fraglich. Der Anfang hat unbestritten Kinoqualität, es macht sich im Verlauf allerdings deutlich bemerkbar, dass Der weiße Äthiopier eben doch nur um einen Fernsehfilm ist. Bei knapp zwei Stunden Laufzeit hätte gerade die Gerichtsverhandlung und die langatmige Nacherzählung der ersten Überraschungszeugin gerafft werden müssen. Am Ende mag der ein oder andere auch etwas ratlos zurückbleiben und sich fragen, ob die Vorgeschichte nun wirklich die Straftaten erklärt.

Deutsche Kinofilme und deutsche Fernsehfilme haben meist eins gemeinsam – es sind Fernsehfilme. Wenn man sich damit einmal abgefunden hat und weiß worauf man sich einlässt, dann findet man durchaus auch angenehme deutsche Produktionen. Der weiße Äthiopier ist so eine, denn von einem Fernsehfilm ist keine bis ins letzte Detail durchdachte Handlung, sondern vor allem Abendunterhaltung zu erwarten. Gemessen daran gibt es wenig zu beanstanden.

Generell ist Der weiße Äthiopier gut gespielt und weitgehend interessant inszeniert, mit bei dem Format verzeihbaren Logiklücken und weniger verzeihbaren Längen. Thomas Thieme und Paula Kalenberg geben als Rechtsanwalt und Referendarin so ein wunderbares Duo ab, dass man sich direkt eine Vorabendserie mit den beiden und Fällen aus der Kanzlei wünscht.

Bewertung: 7/10

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