Sunset Blvd. – Boulevard der Dämmerung

Norma Desmond
Paramount Pictures

Sie schritt wie eine Schlafwandlerin auf der schwindelnden Höhe ihres vergangenen Ruhmes. Verbissen festhaltend an der Vorstellung, dass sie der größte Filmstar der Welt sei.

Bordstein
Paramount Pictures

Zugegeben, dieser Film ist ein Klassiker und wurde seit seinem Dreh 1950 sicher schon etliche Male besprochen. Trotzdem will ich den Film gerne kommentieren und den ein oder anderen dafür begeistern, sich auch mal einen alten Schwarz-Weiß-Schinken anzusehen.

Paramount Pictures

Diese Perle des Film Noir ist eine realistische, ungeschönte Darstellung Hollywoods, die auch heute noch aktuell ist, damals aber natürlich eine besondere Provokation und ein großes Wagnis für Regisseur Billy Wilder und die Produktionsfirma Paramount Pictures. Es geht um den jungen, erfolglosen Drehbuchautoren Joe Gillis, der sich in ein verlassen wirkendes Haus auf dem Sunset Boulevard flüchtet, als er von seinen Gläubigern verfolgt wird. Doch in dem allmählich verfallenden, einst prunkvollen Palast des Überflusses lebt Norma Desmond, ein ehemaliger Superstar des Stummfilms allein mit ihrem Butler. Sie bittet Joe, mit ihr an ihrem Drehbuch zu arbeiten, von dem sie sich ihre ersehnte, großartige Rückkehr ins Filmgeschäft erhofft. Er willigt ein und wird von ihr genötigt, in die Villa zu ziehen, wo sich auch eine Art Beziehung zwischen den beiden entwickelt (damals äußerst skandalös, das Verhältnis einer älteren Frau mit einem jüngeren Mann darzustellen – und das 17 Jahre vor der „Reifeprüfung“!).

berühmte einstellung der ersten szene
Paramount Pictures

Heute ist vor allem die Anfangsszene bekannt. Der Film beginnt mit der Aufnahme eine Leiche, die im Pool treibt und dabei aus dem Off die Geschichte einleitet. Ursprünglich hatte Wilder einen völlig anderen Anfang gedreht, in dem der Tote in einem Leichenschauhaus liegt und ein Gespräch zwischen den Aufgebahrten beginnt. Das Testpublikum fing jedoch fürchterlich an zu lachen – nicht die erhoffte Reaktion – woraufhin die Einstiegssequenz neu überdacht und gedreht wurde. Erwähnenswert ist dabei die Kameraeinstellung, die den Leichnam von unten sozusagen aus Fischperspektive zeigt. Es erwies sich als besonders schwierig, diese Szene zu drehen, es gab noch keine ausreichend entwickelte Technologie für Aufnahmen unter Wasser, so wurde eine Konstruktion entwickelt, bei der ein großer Spiegel von oben abgefilmt wurde – eine bis dahin einmalige Technik.

Der Film wirkt durch das durchdachte Zusammenspiel seiner verschiedenen Komponenten und durch den Einsatz realer Schauplätze so interessant und vollkommen. Verdientermaßen bekam der Film einen Oscar für bestes Szenenbild. Die Szenen auf dem Paramount-Gelände wurden eben auch dort gedreht, sogar das Büro des Produzenten wurde verwendet, auch das Apartment von Joe Gillis liegt eben dort, wo es im Film liegt, es wurde auch dort gedreht und viele weitere Schauplätze aus dem glanzvollen Hollywood wurden genutzt. Ausschließlich das Innenleben der Villa wurde im Studio gebaut, diese Kulisse ist auch ein Augenschmaus – die Räume sind so herrlich überladen und vollgestopft mit Prunk und Luxus, dass es eine wahre Freude ist (man nehme nur das Bett der Diva – ein Traum), dabei wirkt aber auch alles etwas verstaubt und verwahrlost – eine architekturgewordene Fortsetzung des Charakters Norma Desmond.

Gloria Swanson als Norma Desmond
Paramount Pictures

Die Schauspieler sind auch durchweg hervorragend und wunderbar, allen voran aber die wirklich außergewöhnliche Gloria Swanson, die die Stummfilmdiva vergangener Tage durch ihre übertriebene Gestik und Mimik perfekt verkörpert. Sie schafft es, die ganze Tragik, aber auch die wirklich unheimliche, wahnsinnige Seite der Norma Desmond glaubwürdig zu vermitteln. Besonders interessant ist dabei, dass eben auch Gloria Swanson in der goldenen Ära des Stummfilms ein erfolgreicher Star des Genres war und mit dem Tonfilm ihre Karriere beendet war – sie hatte das nur besser verwunden als ihre Filmfigur – trotzdem steckt eben auch eine Menge persönlicher Gefühle in der Rolle. Ähnlich war es auch mit dem Joe Gillis Darsteller William Holden, der nach einem guten Film in die Bedeutungslosigkeit gesunken war. Und auch der Butler Erich von Stroheim war seinerzeit selbst ein erfolgreicher Regisseur, der eben auch tatsächlich die junge Gloria Swanson entdeckte – sein Film mit ihr (allerdings ein großer Misserfolg) wird auch ein einer Szene kurz gezeigt. So viele schöne Anekdoten und tolle Parallelen gibt es noch zu berichten, das würde aber wahrscheinlich diesen Rahmen sprengen. Bei Interesse einfach mal wiki zu dem Thema befragen.

Boulevard der Dämmerung ist jedenfalls ein wirklich spannender, lebendiger Film, von dem eine große Tragik und die Romantik des Vergangenen ausgeht. Die Geschichte ist wunderschön erzählt, die Bilder und Kompositionen können sich wirklich sehen lassen und der Film ist an vielen Stellen eben auch dadurch wirklich unheimlich, nahe am Horror, aber auch voller Dramatik, Liebe und Skurrilität. Besonders gelungen ist auch das Ende, das mich wirklich gegruselt und bewegt hat (Gänsehaut)! Unbedingt anschauen!

Bewertung: 10/10

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