The Counselor

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© 20th Century Fox

„Are you really that cold?“ – „The truth has no temperature.“

Eigentlich ist der Mann, der von allen nur „Counselor“ genannt wird, ein kleiner, popeliger Anwalt, der nahe der mexikanischen Grenze seinem Geschäft nachgeht. Doch seine Liebe zum Luxus bringt ihn bald ihn eine heikle Geldnot, aus der er sich nur mit krummen Geschäften herauswinden kann. Gemeinsam mit seinem Geschäftspartner Reiner und dessen Freundin Malkina plant er einen Coup, der nicht nur mit Raub und Drogen zu tun hat, sondern auch noch das mexikanische Kartell aufscheucht.

„The Counselor“ könnte ein guter Film sein, schließlich ist Ridley Scott ein guter Filmemacher, dessen Filmografie sich sehen lassen kann und die Werke wie „Blade Runner“, „Thelma & Louise“ oder „Gladiator“ enthält. Dazu kommt, dass Cormac McCarthy, der das Drehbuch beisteuerte und den Film mitproduzierte ebenfalls ein Mann mit Talent ist – seine Romanvorlagen zu „No Country for old men“ oder „The Road“ beweisen es. Und dann ist da noch der Cast von „The Counselor“: Hollywood-Stars und begabte Schauspieler so weit das Auge reicht. Michael Fassbender, Brad Pitt, Cameron Diaz und Javier Bardem haben ihr Können und ihre Wandlungsfähigkeit in zahlreichen Filmen unter Beweis gestellt.

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© 20th Century Fox

Trotzdem will der Funke bei „The Counselor“ einfach nicht überspringen. Da wäre zum Einen die Story, die leider mehr als undurchschaubar dargeboten wird. Wer will da gleich nochmal was tun? Und warum? Und wieso flippt das Kartell jetzt aus? Während des Films wird leider nicht deutlich, was ganz konkret der Konflikt des Filmes ist. Wo sich die Problematik versteckt, muss sich der Zuschauer mühevoll aus den vollkommen drögen Dialogen zusammenpuzzeln. Damit wären wir auch schon beim zweiten Problem: die Dialoge – pseudophilosophische Phrasendrescherei, die in ihrer Schwammigkeit unübertroffen sein dürfte. Da wird gefühlt stundenlang geredet und dabei nichts gesagt, was die Handlung in irgendeiner Form voranbringt – stattdessen lernt der Zuschauer sehr viel darüber, wie Frauen sich angeblich verhalten und wie gefährlich das Drogenkartell ist. Das ist nicht nur sexistisch, sondern leider auch ziemlich langweilig und bietet (abgesehen von der leicht grotesken Sie-fickt-mein-Auto-Geschichte) kaum Unterhaltungswert. Nachdem der Zuschauer in den ersten Filmminuten gelernt hat, das eine intelligente Frau ein teures Hobby und der geplante Coup sowas von gefährlich ist, passiert eigentlich nicht mehr besonders viel.

Die erste Stunde des Films plätschert aus diesem Grund leider in völliger Belanglosigkeit dahin, dem Erzähltempo hätte an dieser Stelle der eine oder andere Schnitt gut getan. Doch auch nachdem der Plan der Geschäftspartner wie erwartet schiefgegangen ist, beschleunigt sich das Ganze nur bedingt. Die Figuren hängen weiterhin in ihrer Lethargie, dem Zuschauer sind ihre Probleme im Grunde sowieso egal und jetzt kann man sich nur noch auf einige einfallsreiche Todes-Szenen freuen. Weder Spannung noch Stimmung haben den Hauch einer Chance, sich frei zu entfalten, nach Atmosphäre sucht man leider vergeblich.

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© 20th Century Fox

„The Counselor“ hat trotz bekannter Namen und talentierter Darsteller, die alles in allem einen guten Job machen, leider wenig zu bieten. Weder Story noch Charaktere vermögen es, den Zuschauer in den Bann zu ziehen oder zu unterhalten. Das Interessanteste an der Sache dürfte wohl die völlig behämmerte Frisur von Javier Bardem sein, mit der er gleich nach Nicolas Cage in die glorreichen Charts der grausamsten Filmfrisuren einzieht, und auch Fans kreativer Filmtode könnten sich hier und da amüsiert fühlen.

Bewertung: 3,0/10

One Comment

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