The Jungle Book

© The Walt Disney Company Germany GmbH
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Der 1967 von Disney veröffentlichte Zeichentrickfilm The Jungle Book wurde 1968 in Deutschland unter dem Namen Das Dschungelbuch veröffentlicht. Die Übersetzung erachtete der deutsche Verleih im Jahr 2016 wohl nicht mehr für nötig, was aus nostalgischen sowie Gründen der Spracherhaltung ziemlich schade ist. Im Gegensatz zur früheren Version hat The Jungle Book keinen humoristisch-verspielten Ansatz, sondern erzählt die Geschichte etwas düsterer und um einiges näher an der literarischen Vorlage von Rudyard Kipling. Es ist nach Alice im Wunderland, Maleficent und Cinderella der vierte Disneyrealfilm, der auf einer früheren Animation des Studios basiert, und der erste davon, der gelungen ist.

Man könnte sagen, dass Moglis Darsteller für ein Kind gut spielt. Das ist schon wahr, allerdings muss man sich vergegenwärtigen, wie gut Neel Sethi spielt: Der Film ist komplett an rudimentär gebauten Sets gedreht worden und außer Mogli ist alles Weitere – nicht nur die Tiere, alles – erst in der Postproduktion am Computer hinzugefügt worden. Das sind Bedingungen, mit denen viele erwachsene Schauspieler Probleme haben (Star Wars anyone?) und man merkt Sethi durchaus hier und da an, dass er nicht genau weiß, wohin er schauen soll oder dass er mit der Luft redet. Gemessen an den Umständen aber liefert er hier eine oscarwürdige Performance ab, zumal es sein Schauspieldebüt war. Kaa, der weibliche Python, ist zwar gut in Szene gesetzt, von Scarlett Johansson wunderbar vertont (tatsächlich liefert sie die beste Leistung des gesamten Casts) und trug wesentlich dazu bei, dass der erste Trailer des Films so gut ankam, aber im Film wirkt sie beinahe fehl am Platz. Ihre einzige Funktion ist Exposition durch einen Flashback und Sprungbrett für die Einführung eines weiteren Charakters zu sein. King Louie, gesprochen von Christopher Walken, ist ein beängstigender Charakter. Viele kritisieren, dass King Louie anfängt „I wanna be like you“ zu singen, was nicht zu ihm oder der Situation passen würde. Dem ist entgegenzuhalten: Erstens handelt es sich um Christopher Walken – natürlich singt er! Zweitens trägt das Singen zur Charakterisierung bei und zeigt sehr gut, wie psychopathisch der Riesenaffe ist. Ansonsten hat man auf die Songs aus dem Original verzichtet, bis auf den Klassiker „The Bare Necessities“, der auch für Kritiker organisch in den Film eingewoben wurde.

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Sobald ein Film erkennbar CGI benutzt (oft genug bemerkt man als normaler Zuschauer den Einsatz gar nicht), sieht er sich Kritik dazu ausgesetzt. Man würde ja sehen, dass das CGI ist! Da The Jungle Book fast ausschließlich aus CGI besteht, werden auch Kritiken bezüglich der Unechtheit der Tiere nicht ausbleiben. Angesichts dessen müssen folgende Fragen erlaubt sein: Hat man den Tieren in der Zeichentrickversion von 1967 angemerkt, dass sie gezeichnet waren? Und hat dies den Film in irgendeiner Weise schlecht gemacht? Es ist ein CGI-Film. Natürlich sieht er nach CGI aus. So wie ein Zeichentrickfilm nach Zeichentrick aussieht. Und ganz abgesehen davon ist das CGI hier einfach fantastisch. Die Optik des Films ist umwerfend, angefangen von der Kameraführung bis hin zu den Tieren und der Umgebung, die so lebensecht wirken, wie es mit CGI möglich ist.

Eine längere Sequenz und ein paar kleinere Szenen wirken wie direkte shot-for-shot-Remakes aus Der König der Löwen. Ob das Disneys Weg ist, uns auf eine Neuinterpretation dieses Films in Manier von The Jungle Book vorzubereiten, bleibt abzuwarten. Auf der einen Seite wirkt das sehr reizvoll, auf der anderen Seite ist das Original von 1994 einer der besten Filme aller Zeiten und muss nicht erneut umgesetzt werden. Eventuell sollen diese Szenen aber auch als Ersatz für einen kompletten Film oder einfach nur als Hommage dienen, was einen perfekten Kompromiss darstellen dürfte.

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Trotz einer Altersfreigabe ab 12 Jahren, ist der Film doch nur bedingt für Kinder empfehlenswert. Balu sorgt zwar immer noch für einige humorvolle Szene, aber insgesamt ist die Atmosphäre eher düster und spannungsgeladen. Von der heiteren Leichtigkeit der Zeichentrickversion ist nichts mehr da, hier geht es ums blanke Überleben im Dschungel. King Louie und Kaa sind im Gegensatz zu früher riesige Monster, Shir Khan ist nicht mehr einfach nur böse, sondern eine unberechenbare Tötungsmaschine.

2018 bekommen wir eine weitere Neuverfilmung mit dem Titel The Jungle Book im deutschsprachigen Raum, Jungle Book im Original. Regie wird Andy Serkis führen, der neben Benedict Cumberbatch und Christian Bale auch selbst in einer Hauptrolle mitspielt. Ob dieser Film wirklich nötig ist, wird sich zeigen. Bis dahin haben wir mit dem vorliegenden The Jungle Book eine exzellente Adaption des Stoffes.

Bewertung: 8/10

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