The Shallows

© Sony Pictures Releasing GmbH
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Wenn man bedenkt, dass sich vor 41 Jahren der größte Sommer-Blockbuster um einen Hai drehte, der eine Strandpromenade terrorisierte und heute immer noch zurecht als einer der besten Filme aller Zeiten angesehen wird, hat sich seitdem einiges geändert. Blockbuster konkurrieren sich mit frappierenden Drehbuchschwächen überwiegend in ihrer Tricktechnik, während sich Haie in Billigproduktionen herumtümmeln, mal gekreuzt mit anderen blutrünstigen Tieren, mal durch Tornados den Menschen entgegen geschleudert. Der Box-Office-Erfolg des diesjährigen Survival-Thriller The Shallows von Regisseur und Liam-Neeson-Fan (Unknown Identity, Non-Stop, Run All Night) Jaume Collet-Serra zeigt eine erfreuliche Richtung in dieser bedauerlichen Entwicklung des Summer-Blockbusters. Mit verhältnismäßig wenigen Mitteln holt Collet-Serra das Maximale aus dem intimen Setting eines bedingungslosen Überlebenskampfes einer Frau gegen einen weißen Hai heraus und lehrt den Zuschauer nach so langer Zeit lächerlichen Tierhorrors: Haie sind verdammt furchteinflößend!

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The Shallows eifert dem Vorbild von Spielbergs Meisterwerk Der weiße Hai nach und lässt den Hai lange unsichtbar als lauernde Gefahr spürbar werden. Beim Altmeister hatte das auch einen Kostengrund, der den Film aber gerade so grandios macht, sei es durch bedrohliche Musik oder Point-of-View-Einstellungen des Hais. Collet-Serra nutzt ähnliche Tricks des Spannungsaufbaus, auch in Szenen, in denen der Hai noch eine unbekannte Gefahr darstellt. Man kann ihm zwar vorwerfen, dass er sich einen Tick zu lange mit der Expostion um Hauptcharakter Nancy (Blake Lively) und ihre Beweggründe beschäftigt und warum sie genau an diesem versteckten Strand surfen will. Auch lassen sich die ersten Szenen im Wasser als ausladender Surf-Porn mit übertriebenen Slo-Mo-Effekten bezeichnen. Wenn sich jedoch die Situation für Nancy zuspitzt mit verletztem Fuß auf einem Walkadaver, wird die Spannungsschraube von Collet-Serra ins kaum Aushaltbare gedreht. „Nur“ 200 Meter vom Ufer entfernt startet ein Adrenalin-hochjagender Kampf gegen die Natur, die sich klar auf der Seite des Weißen Hais befindet. Dabei ist die die Kameraarbeit besonders hervorzuheben, werden die klassischen, durch Der weiße Hai perfektionierten Gimmicks des Hai-Horrors durch Einstellungen in der Vogelperspektive durchkreuzt, die einerseits einen willkommenen Überblick verschaffen, gleichzeitig aber die existenzielle Not Nancys so nah und doch so fern vom Ufer spürbar macht. Die Kamera selbst bleibt dauernd in Bewegung und macht die gezwungene Verharrung Nancys auf den verschiedenen Stationen im Wasser noch unangenehmer für den Zuschauer.

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Trotz einer intensiven und klug gewählten Inszenierung steht und fällt die Spannung und somit auch The Shallows mit der Hauptdarstellerin Blake Lively, die den Film mit Ausnahme von oftmals namenlosen Minirollen fast auschließlich alleine bewältigt — die größte Nebenrolle hat eine Möwe zu verbuchen. Ihre Qualitäten als Schauspielerin in größeren Prestigeprojekten wie beispielsweise Oliver Stones Savages oder dem letztjährigen The Age of Adaline ließen schon einige Male zu wünschen übrig, doch in der Rolle von Nancy geht sie voll auf. Sie bringt den absoluten Überlebenswillen ihres einfallsreichen, scharfsinnigen und tapferen Charakters glänzend für eine emotionale Investition rüber und auch das Drehbuch gibt ihre Charakterstärken nie für eine dumme Entscheidung auf, um für einen billigen Spannungseffekt zu sorgen. Auch Nancy macht Fehler, diese halten sich aber in einem nur menschlichen Bereich, sie bleibt weitaus klüger als die meisten von uns in einer solchen Situation.

Fazit: Mit The Shallows ist Regisseur Jaume Collet-Serra ein toll inszenierter kleiner Schocker mit einer großartigen Hauptdarstellerin gelungen, der den Zuschauer zwar kaum still sitzen sondern eher schwitzen lässt, aber ein geradezu wohltuende Alternative im seelenlosen Effektgewitter der diesjährigen Sommer-Blockbuster darstellt.

Bewertung: 8/10

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