The Walk

© Sony Pictures Releasing GmbH
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Philippe Petit hat nur einen Traum, er möchte 1974 kurz vor der Eröffnung des World Trade Centers zwischen den beiden Türme auf einem Seil balancieren. Dafür übt er zuerst in Frankreich, indem er Notre Dame für seine artistischen Künste nutzt, bevor er sich nach New York begibt und sich dort der Ausführung seiner Passion widmet.

Philippe Petit wird hierbei von Joseph Gordon-Levitt gespielt, der neben dem früheren auch den gegenwärtigen Philippe verkörpert. Dieser befindet sich dafür auf der Freiheitsstatue und beschreibt  seine Gefühle in dieser Zeit. Warum er sich dort aufhält oder weshalb er dem Zuschauer die offensichtlichen Aspekte seiner Geschichte schildert, wird dabei nicht erklärt.

Dabei nutzt The Walk mehrere Stilelemente, die schon einzeln nervig wären.  So unterhalten sich die französischen Figuren auf Englisch, wofür die sehr unbefriedigende Erklärung genutzt wird, das Philippe in New York leben möchte und dafür sein Englisch verbessern will. Die für ihn aufgestellte Regel hinsichtlich der Sprache gilt auch für alle Menschen, die sich für seinen Plan gewinnen lassen. Dabei ist es auch irrelevant, dass einige Figuren nur wenige Vokabeln beherrschen und diese nicht für einen Dialog nutzbar sind.

Weiterhin wird nicht ersichtlich, warum sich so viele Menschen für dieses Unterfangen begeistern lassen und sich an Philippes Plan beteiligen, da er während der gezeigten Szenen stets unsympathisch wirkt, die anderen Figuren für seine Zwecke benutzt und sich ihnen gegenüber wenig sozial zeigt. Die Unterstützung erhält er durch zufällig gemachte Bekanntschaften, die sich ihm ohne Zögern anschließen und ihn unterstützen obwohl ihnen die Gefahren bekannt sind.
Außerdem wirken alle Figuren wie schlechte Stereotype statt wie eigenständige Charaktere. So handelt es sich bei ihnen um das typische Bild von Franzosen in den 1970’ern, ob es Künstler, Anarchisten oder Weintrinker betrifft. Einzig Papa Rudy, gespielt von Ben Kingsley, fällt dabei positiv auf, da er einen Charakter darstellt, der eigenständig agiert, sich vielschichtig zeigt und dadurch mehr als nur eine simple Karikatur ist.

Der Film nutzt auch das 3D-Element für sich, wobei er dieses Stilmittel nicht wirklich ausschöpfen kann. So gibt es innerhalb der ersten neunzig Minuten nur zwei Momente, in denen der Einsatz wirklich sinnhaft erscheint, aber nicht mehr als einen kurzen Schreckmoment erzeugen kann. Die zuvor von diversen amerikanischen Filmkritikern hochgelobten Aufnahmen von Philippe auf dem Seil vermitteln einen guten Eindruck von der Höhe, aber mehr als ein kurzes Raunen mögen sie auch nicht erzeugen. Stattdessen befindet sich der Zuschauer bei dieser Szene an einem Punkt, an dem er sich nur noch das Ende herbeisehnt.

Desweiteren ist die verwendete Musik sehr anstrengend. Entweder werden amerikanische Pop-Songs mit französischem Text oder Arrangements verwendet, die an die Soundtracks von Ocean’s Eleven und Der rosarote Panther erinnern. Diese werden wiederholt eingesetzt, ohne jedoch die zu vermittelnde Stimmung erzeugen zu können. Zu häufig gerät die Off-Stimme von Joseph Gordon-Levitt dazwischen, die erklärt, was gerade geschieht, obwohl dies bereits durch die Bilder ersichtlich ist.

Insgesamt ist The Walk ein Film geworden, der in zwei Stunden eine Geschichte erzählen will, die für diesen Zeitraum nicht geeignet ist. Stattdessen werden Stereotype wiedergekäut und ein angeblich typisches französisches Szenario entworfen, ob die Musik oder die Figuren betreffend. Auch der Einsatz von 3D wirkt uninspiriert und der Film verschenkt die Möglichkeit, dieses Stilmittel angemessen zu nutzen. Die Musik ist wenig überraschend, die Songs wurden schon zu häufig verwendet und die Arrangements erinnern unfreiwillig an andere Filme, daran ändert auch der deren wiederholte Einsatz nichts. Einzig Ben Kingsley weiß in seinen wenigen Szenen überzeugend zu wirken und eine Figur darzustellen, die mehr als nur eine schlechte Kopie ihrer selbst ist.
Potentiell interessante Themen spart The Walk dabei konsequent aus. So wird der unfreiwillige Auszug von Philippe Petit aus seinem Elternhaus in einer Szene abgehandelt, wobei vor allem der Konflikt mit seinen Eltern eine Möglichkeit geboten hätte, eine andere Seite von Philippe darzustellen. Zu sehr wird versucht, eine Spannung aufzubauen, die sich einfach nicht einstellen will. Stattdessen reiht sich eine belanglose Szene an die nächste, die von nicht überzeugenden Schauspielern kaum bis überhaupt nicht getragen werden können und The Walk zu einem der wohl langweiligsten Filme machen, die bisher für das 3D-Kino erschienen sind – und das von Regisseur Robert Zemeckis, der für großartige Filme wie die Zurück in die Zukunft Trilogie oder Falsches Spiel mit Roger Rabbit bekannt ist. Diese überzeugten neben gut erzählten Geschichten auch durch die genutzten Stilmittel. Aspekte, die bei The Walk lieblos aneinandergereiht werden, ohne sinnvoll zu sein oder beeindrucken zu können.

Bewertung: 1/10

One Comment

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