Tusk

© XYZ Films
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Wallace Bryton ist ein echtes Arschloch. In seinem Podcast lästert er vornehmlich über arme Spinner auf Youtube, deren furchtbare Unfälle viral gegangen sind und in seinem Privatleben betrügt er seine Freundin mit dicklichen Groupies. Um einen Jungen, der sich versehentlich ein Bein mit einem Samuraischwert abgetrennt hat, zu interviewen und noch mehr zu verhöhnen, fährt er nach Kanada – unglücklicherweise hat sich die unfreiwillige Internetberühmtheit aufgrund von Wallace Attacken umgebracht. Auf der Suche nach einem neuen Interviewpartner stößt er auf den schrulligen Howard Howe und dessen Vorliebe für Walrösser. Einige Zeit später erwacht Wallace nicht nur mit einem amputierten Bein, sondern auch mit der Gewissheit, dem alten Mann und seinen abgedrehten Plänen vollkommen wehrlos ausgeliefert zu sein.

© XYZ Films
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Kevin Smith, den man für herausragende Produktionen wie Clerks, Dogma oder Red State kennt, bleibt sich und seiner unkonventionellen Art treu und versucht sich zum zweiten Mal im Horror-Metier. Die unwahrscheinlich skurrilen Ideen in Tusk und die bissigen Dialoge lassen die Feder des stillen Bob deutlich erkennen. Leider fehlt der Handlung ein wenig die nötige Stringenz, damit zwischendurch nicht irgendwann Ermüdungserscheinungen beim Zuschauer auftreten – und auch ein bisschen mehr Sympathie für den Hauptcharakter wäre sicherlich hilfreich gewesen. Neben Justin Long, der in Tusk den wohl hässlichsten Bart der Welt zur Schau stellt, hat nur Michael Parks die Gelegenheit, sein schauspielerisches Können unter Beweis zu stellen. Die Nebendarsteller sind leider entweder vollkommen farblos (Haley Joel Osment) oder einfach nur sehr, sehr nervig (Johhny Depp – der wohl eigenartigste Auftritt des Films).

Tusk will unter allen Umständen ein trashiger und skurriler Horrorfilm sein und diese Zwanghaftigkeit merkt man dem Film leider auch an – es fehlt an Lockerheit. Trotzdem macht sich Grauen breit, eine gewisse Gruseligkeit und Ekelhaftigkeit kann man Tusk nicht absprechen, womit zumindest einige Zutaten eines guten Horrorfilms enthalten sind. Das Ausgeliefertsein, keine Chance auf Flucht und die absolut kranken Pläne des alten Mannes – die albtraumhaften und teilweise wirklich absurden Ideen und Gefühle übertragen sich sehr gut auf den Zuschauer und hinterlassen ihre Spuren. Tusk ist vielleicht kein Meisterwerk, vermag es aber trotzdem, den Zuschauer auch über das Filmende hinaus zu gruseln.

Bewertung: 6,5/10

Diese Kritik ist ein Teil des diesjährigen Horrorctober – eine coole Bloggeraktion auf Cinecouch. Mitmachen kann man den ganzen Oktober – guckt mal rein und schaut euch noch mehr Gruseliges von anderen Teilnehmern an.

Horrorctober-2015

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