Verrückt nach Fixi

© Constantin Film
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„Schau mal, dein Stalker hat dein Bild geliked.“ „Das ist doch nett.“ „Nett ist der kleine Bruder von scheiße.“

Solche Binsenweisheiten mit weit überschrittenem Haltbarkeitsdatum erwarten den Zuschauer, der es wagt, sich den Film Verrückt nach Fixi anzusehen. Die Hauptfigur ist der schüchterne Tom (Jascha Rust), der in seiner Freizeit Comics zeichnet und seine Schulzeit dank seines besten Freundes Dodie (Roland Schreglmann) so gut wie unbeschadet übersteht. Dieser kann ihn aber nicht vor der Blamage schützen, als er bei der Abschlussfeier dafür ausgezeichnet wird, die letzte männliche Jungfrau des Jahrgangs zu sein. Als Preis erhält er die Gummipuppe Fixi, die er mit sich herumträgt, bis er in einer Erotikkneipe landet. Dort lernt er nach einem fremdbeschämenden Monolog den älteren Asiaten Jiao Yu (Yu Fang) kennen, der ihn auf ein nahendes Abenteuer vorbereitet und nebenbei einen Asia-Imbiss betreibt, wenn er nicht in einem Stripteaselokal sitzt. Glücklicherweise verfügt Jiao Yu über Zauberkräfte, womit auch dieses Klischee vom Regisseur Mike Marzuk bedient werden kann. Als sich Tom auf den Heimweg machen will, kommt es zu einem Unfall. Am nächsten Morgen ist Fixi (Lisa Tomaschewsky) zum Leben erwacht und widmet sich der Tätigkeit, für die sie ursprünglich geschaffen wurde.

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Die weitere Story ist vorhersehbar und wenig überzeugend, denn natürlich wird Tom dank Fixi endlich von denen ernst genommen, die sich vorher nie mit ihm hätten blicken lassen, er erregt das Interesse seines Schwarms und er streitet sich mit seinem besten Freund. Nach einigen Irrungen kommt er schließlich doch an seinem Ziel an, überwindet seine Ängste, findet die wahre Liebe und erkennt den Wert wahrer Freundschaft. Gähn. Dabei schafft es der Film, die wenig aufregende Geschichte noch langweiliger zu erzählen, als zu befürchten wäre. Es wird sich einer Jugendsprache bedient, die vor fünf bis zehn Jahren zeitgemäß wäre, aber heute verbraucht und abgehalftert ist. Dadurch wirkt Verrückt nach Fixi wie ein Jugendfilm, der von Menschen gemacht wurde, die schon zu lange den Kontakt zu Adoleszenten verloren haben.

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Dieser Eindruck verstärkt sich zusätzlich durch den Soundtrack. Da werden beispielsweise Songs wie Monster von Culcha Candela verwendet, der sieben Jahre alt ist und von keinem frisch gebackenem Abiturienten gehört werden würde, der seine neue Freundin bei einer Probefahrt beeindrucken will, die selbstverständlich mit einem Blowjob abgeschlossen wird. Ein weiteres lautes Gähnen für diesen uninspirierten Soundtrack und den stets wiederkehrenden Sexismus. Dieser zeigt sich darin, dass sobald Fixi den Raum betritt, alle Menschen in ihrer Umgebung ihre Getränke verschütten, stolpern oder direkt zu lästern beginnen. Hierfür werden sowohl die männlichen als auch die weiblichen Figuren auf ihre Triebe und insbesondere Fixi auf ihr Geschlecht reduziert und selbst in den Szenen, in denen Fixi nicht auftaucht, sprechen alle nur über sie und planen, wie sie sie für sich gewinnen oder loswerden können. Hierbei bietet sich die zum Leben erwachte Sexpuppe idealerweise an, die nur als Projektionsfläche für sämtliche Formen von Sexismus fungiert und dabei es schafft, sich selbst auf ihre Sexualität zu reduzieren.

Das einzig Posive an Verrückt nach Fixi ist die deutlich wahrnehmbare Freude der Schauspieler. So scheinen sie von diesem Projekt wirklich überzeugt zu sein und sich auch auf zwischenmenschlicher Ebene zu verstehen. Dieses Engagement überträgt sich bloß nicht auf den Film, der neunzig Minuten vor sich hindümpelt, um schließlich mit einem seichten Ende abschließen zu können. Wobei der Film sich zu ernst für diese banale Geschichte nimmt und versucht, beim Zuschauer eine breite Palette an Emotionen zu wecken – erfolglos. Für alle, die sich einen innovativen Jugendfilm gewünscht haben und nicht schon vom ersten Trailer abgeschreckt wurden,  bleiben nur der fahle Beigeschmack, der sich beim Betrachten dieses Films eingestellt hat, und der schlechteste Witz im Gedächtnis: „Ich hätte gern zwei Baileys.“ „Mit Eis?“ „Ja, gern. Schoko und Vanille.“

Bewertung: 2/10

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