Vom Smombie zum Zombie – Puls

© Concorde

Es ist mitten unter uns. Unerkannt. Gefährlich. Ein wildes Tier, das wir auch noch in niedliche Anzüge stecken. Es ist immer bei uns – ganz nah. Im Bett. Im Auto. Auf der Couch. Im Kino. Auf dem Klo. In der Arschtasche. Im Gesicht. Das Smartphone – Feind der aufgeheizten Diskussionen, ja, der Face-to-Face-Kommunikation im Allgemeinen, der Beziehungen, der Kinder in Freilandhaltung. In Puls, der Filmadaption des gleichnamigen Romans von Stephen King, macht das Smartphone konsequenterweise aus Smombies endlich Zombies.

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Eben war noch alles normal auf dem Flughafen in Boston, was offenbar bedeutet, dass absolut jeder Mensch in sein Smartphone quatscht oder geistesabwesend darauf herum tippt. Der Comiczeichner Clay ist verzweifelt auf der Suche nach einer Steckdose, um sein lahmgelegtes Telefon aufladen und mit seinem Sohn Johnny sprechen zu können. Im nächsten Moment fährt ein Puls durch die Telefonierenden, der sie augenblicklich zu rasenden Bestien macht. Clay kann den wild meuchelnden Horden, den massenhaft ausgelösten Unfällen und vom Himmel fallenden Flugzeugen entkommen und macht sich bald mit einer kleinen Gruppe Überlebender in den Norden auf, um seinen Sohn zu finden. Dabei beobachten sie bald merkwürdige Verhaltensweisen der Phoner, die ihre Hoffnung auf Rettung schwinden lässt.

Die Angst vor dem Neuen und vor allem die Angst vor der Technik ist so alt wie die Menschheit. Die Menschheit verroht, niemand spricht mehr miteinander, wir werden alle immer unselbstständiger und überhaupt – denkt denn niemand an die Kinder? Puls sticht geschickt in einen offen liegenden Nerv der Gesellschaft, die zwischen Faszination und Technikangst hin- und hergerissen ist. Aus eben noch eigenständigen Menschen wird plötzlich eine Horde zombieähnlicher Wesen, die ihre Individualität in der Masse auflösen und sich mit weit geöffneten Mündern gleichschalten.

Diese Momente der Gleichschaltung sind dann auch die beeindruckensten und unheimlichsten in Puls. Horden von Phonern, die huldigend eine große Antenne umkreisen – eine schöne Metapher. Kurze Momente des Gruseln vergehen jedoch schnell, denn der Film geht erfrischend selbstironisch an offensichtliche Mankos heran. Die Phoner sind nie vollends unheimlich, dazu ist nicht nur die Grundidee zu eigenartig, sondern auch ihr Aussehen zu normal. Besonders in der Musik-Auswahl beweist Puls Mut zum Stilbruch – zum Beispiel, wenn alle Phoner gemeinsam zur Fußballhymne You’ll never walk alone ihre Runden ziehen oder sich auf einem Footballfeld zum legendären Trololo rebooten.

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Ebenso wenig subtil wie die Musik, fällt auch die Bildsprache und die Figurenzeichnung in Puls aus. Alle Arten von Telefonen (alte, neue, klingelnde, qualmende, zerschmolzene) und jede Menge Telefonmasten bevölkern etwas aufdringlich die Szenerie und die Dialoge und werden damit leider ermüdend oft als überaus bedrohlich konnotiert. Trotz angemessenem (John Cusack) bis gutem (Samuel L. Jackson) Schauspiel bleiben die Figuren platt wie Flundern und kommen nicht aus ihren gusseisernen Stereotypen heraus, wobei ihre Handlungsmotive (vor allem bei Tom) teilweise rätselhaft bleiben.

Alles in allem rangiert Puls im Mittelfeld der King-Verfilmungen, die von grottenschlecht bis grandios so ziemlich alles bieten. Stellenweise miese Effekte, flache Charaktere und das teilweise lächerliche Auftreten der Phoner verderben ein Stück weit den Filmgenuss. Das kann ein wenig über die Selbstironie und einigen gut platzierten Gags aufgefangen werden, trotzdem bleibt der Film nur mittelmäßig. Ein kleines Plus gibt es für das vom Roman abgewandelte Ende und das Offenlassen einiger Handlungsstränge zum Selberdenken.

Bewertung: 6/10

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