We need to talk about Kevin

© Fugu

Eine Mutter zieht ein Resümee. Erinnert sich an den Alltag mit ihrem Sohn. Wie war es vor seiner Geburt? Was hat sich danach verändert? Und vor allem: was hat sie nur falsch gemacht? Welcher Zeitpunkt hat über ihre Zukunft entschieden? Wo war der große Fehler? Oder waren es viele kleine?

Ein Film, der den Zuschauer in den Bann zieht. Die Geschichte ist so sensibel und gleichzeitig so intensiv erzählt wie man es schon lange nicht mehr gesehen hat. Die Handlung ist unglaublich interessant und spannend und lässt einen lange nicht mehr los. Vielleicht, weil ein Thema behandelt wird, über das jeder Mensch früher oder später nachdenkt. Und weil dieser Film ein Albtraum ist. Das schlimmstmögliche Szenario. Es gibt kein Entkommen und kein Verständnis. Der absolute Horror.

Dieses Szenario entspannt sich in wunderbaren, interessanten Bildern und perfekten Kompositionen. Gleich am Anfang wird dem Betrachter klar, dass es sich hier um eine ausgesprochen ästhetische Bildwelt handelt. Die Atmosphäre ist sehr dicht und wirklich wunderbar. Der Film ist durchzogen von Metaphern und Bildern, die allerdings nicht völlig unverständlich, aber auch nicht platt daherkommen – genau richtig. Bemerkenswert ist auch die Musik, die teilweise sehr konträr zu den gezeigten Bildern ist, an manchen Stellen aber auch perfekt passt und das Gesehene untermalt (besonders toll die Szene mit „In my room“ von den Beach Boys).

Die Schauspieler sind durchweg grandios und perfekt besetzt. Allen voran natürlich Tilda Swinton, die die absolute Verzweiflung ihrer Figur vollkommen überzeugend verkörpert und die wie immer eine wirklich tolle Ausstrahlung hat (was für ein Gesicht!). Sehr gut ist auch die zweite Hauptrolle mit Ezra Miller besetzt, es ist einfach nicht möglich hinter seine Fassade zu blicken.

Der Film ist eine echte Überraschung und absolut sehenswert. Seit langem mal wieder etwas, was mich mich wirklich in seinen Bann gezogen und zum Nachdenken angeregt hat. Eine wirklich herausragende Studie der Familie und der menschlichen Natur, außerdem die Beschäftigung mit einem großen Tabu. Unbedingt anschauen!

Hier noch ein sehr interessantes Interview mit Lionel Shriver, die die Romanvorlage für den Film lieferte.

Bewertung: 10/10

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