What We Become

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© SF Film

Zombies sind in den letzten Jahren mit Sicherheit zu den überbeanspruchtesten Monstern der Filmwelt geworden. Um ihrem Subgenre noch etwas abgewinnen zu können, muss man sich als Filmemacher schon etwas Besonderes einfallen lassen. Zum Beispiel, dass man eine Zombieapokalpyse in einem beschaulichen Dörfchen stattfinden lässt und nicht in einer der üblichen Weltmetropolen. Oder dass man die Zombies so gut wie gar nicht zeigt. Oder dass sie eigentlich gar keine so große Rolle spielen. Oder dass man wie in What We Become einfach alles kombiniert.

Sorgenfri, ein tatsächlich existierender Vorort von Kopenhagen und zugleich Originaltitel von What We Become, ist ein kleines, ruhiges Nest. Hier lebt zum Beispiel Dino mit seiner Frau und seinen zwei Kindern. In Sorgenfri passiert nicht viel und als eines Tages eine alte Dame Dino auf ihren im Wohnzimmer liegenden toten Mann anspricht, der bei Dinos Ankunft aber nicht vorzufinden ist, wird dem Vorfall vorerst auch keine weitere Beachtung geschenkt. Bald darauf ist es mit der Ruhe allerdings vorbei, denn aus dem Nichts taucht das Militär auf und riegelt das Dorf ohne Erklärungen komplett ab. In den Nachrichten ist von einem unbekannten Virus die Rede und schon kurze Zeit später mehren sich die Infektionen in Sorgenfri.

What We Become ist der erste Langfilm von Regisseur Bo Mikkelsen, der davor zwischen 1999 und 2012 acht Kurzfilme gedreht hat. Anders als andere Regiedebütanten mit einer ähnlichen Vorgeschichte vermeidet er es aber gekonnt, dass sich What We Become wie ein in die Länge gezogener Kurzfilm anfühlt. Die Laufzeit ist mit 80 Minuten unterdurchschnittlich lang, das Pacing ist on point und überflüssige Szenen gibt es nicht – mit Ausnahme der ersten Minute, die eine spätere Szene im Film zeigt. Das hätte weggelassen werden können, da es gar nichts zu irgendwas beiträgt.

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© SF Film

Das Ende wird wohl selbst Zuschauer, die nur rudimentär mit dem Genre vertraut sind, nicht überraschen, aber auf einen Twist oder Ähnliches legt Mikkelsen es auch gar nicht an. Der Titel (zugegeben nur der internationale) weist bereits darauf hin, dass es um den Prozess geht und nicht so sehr um das Ergebnis. Die Phrase „der Weg ist das Ziel“ passt hier wie bei nur wenigen Filmen.

Manchmal erlaubt sich der Film kleine Unglaubwürdigkeiten. Zum Beispiel als Dino vor seiner Haustür von zwei Elitesoldaten mit auf ihn gerichteten und eindeutig schussbereiten Maschinengewehren aufgefordert wird, wieder reinzugehen und er stattdessen weiter auf sie zugeht und fragt was los sei. Das Ganze auch noch in einem Ton als würde er Schulden eintreiben wollen. So abgebrüht ist keiner und die Soldaten hätten schon geschossen bevor er seinen Satz beendet hätte. Oder als Anna, eine Nachbarin, heimlich ins Auto steigt und davonfährt, weil sie ihren Mann für infiziert hält und das dann – als die beiden sich später bei Dino treffen – komplett vergessen worden zu sein scheint. Oder als eine Nachbarstochter mit Dinos Sohn ins Bett steigt, nachdem ihre Mutter gestorben ist. Diese Kleinigkeiten stören dann aber zum Glück doch nicht so sehr, als dass sie den Zuschauer komplett aus dem Film reißen würden.

What We Become ist ein stimmig inszenierter Zombiefilm ohne große Überraschungen, aber dennoch mit reichlich Spannung.
Eine Warnung zum Schluss: Die Art der Titeleinblendungen am Anfang und Ende könnte bei einigen Menschen einen epileptischen Anfall auslösen und ist auch so eher unangenehm.

Bewertung: 7/10

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