Young Adult

young adult berlinale
© Paramount

Wenn man die Namen Jason Reitman und Diablo Cody hört, denkt man gleich an so tolle Filme wie Juno. Die Erwartungen an Young Adult steigen. Ich gehe aber davon aus, dass ich den Film auch mit unübersteigerten Erwartungen nicht besser gefunden hätte, denn die „Komödie“ hat ein entscheidenes Problem, dass ich in letzter Zeit des Öfteren beobachten konnte: der Film ist schlicht und einfach nicht lustig. Und das ist immer schwierig, wenn man auf dem DVD-Cover und sonstigen Beschreibungen immer groß und breit Komödie lesen kann. Man stellt sich auf mindestens 90 Minuten Gelächter ein und bekommt: Tragik. Und Momente zum Fremdschämen.

Young-adult-squared
© Paramount

Young Adult startet sogleich mit jeder Menge unschönen Momenten. Da ist diese Frau, ihre unbeschwerte Jugend hat sie hinter sich, sie hat sich gerade scheiden lassen und ihr Job läuft ebenfalls alles andere als gut. Dann bekommt sie eine Email ihrer nie ganz vergessenen Jugendliebe, die inzwischen glücklich verheiratet ist und soeben ein Kind bekommen hat. Und weil man ja immer das haben will, was man nicht haben kann, beschließt sie, in die Kleinstadt zurückzufahren, aus der sie einst kam und ihre Jugend mit ihrer ersten großen Liebe wieder aufflammen zu lassen. Dass ihr Ex daran wenig Interesse hat, ist nicht auf ihrem Radar, stattdessen schmeißt sie sich in aufregende Outfits und schwafelt mit verführerischem Augenaufschlag von alten Zeiten. In ihrer augenscheinlichen Erbärmlichkeit verbündet sie sich mit dem ehemaligen Schulnerd, der genau wie sie immernoch in der Vergangenheit lebt.

Das Schlagwort für den von Charlize Theron verkörperten Hauptcharakter heißt: Verzweiflung. Da sie mit der hoffnunglosen Zukunft konfrontiert wird, wendet sie sich lieber der von total verdrehten und geschönten Vergangenheit zu. In ihrer Verzweiflung blendet sie jegliche negative Erfahrungen aus und versteht jede kleinste Regung ihres Highschool-Freundes als Annäherung und als erfolgsversprechende Wendung in ihrem Unterfangen. Abneigung von ihm oder anderen empfängt sie entweder überhaupt nicht oder wertet sie als Eifersucht, weil sie sich trotz aller Rückschläge immernoch als die erfolgreichste Bewohnerin des Dorfes sieht, da sie es augenscheinlich als Einzige in die große Stadt geschafft hat.

Der Film wartet mit jeder Menge extrem unangenehmer Situationen auf, die Protagonistin ist sehr tief gesunken und wird dem Zuschauer als Wrack präsentiert, das sich an einer Zukunft festklammert, die es niemals geben kann. Dabei ist der Film leider nicht ein einziges Mal besonders witzig, sondern zeigt eigentlich nur die ungeschönte Wahrheit über die Charaktere, die einen das ein oder andere Mal in die Fremdscham treibt. Schade eigentlich, wäre der Film nicht als Brüllerkomödie angepriesen worden, hätte man sich in der richtigen Stimmung auf ein Drama mit ausgeprägter Charakterzeichnung freuen können. Die Schauspieler sind allesamt super und auch die Gesichte hat ihren Reiz, man kann das alles nur nicht richtig wertschätzen, wenn man die ganze Zeit auf das vermeintlich noch kommende Gag-Feuerwerk wartet.

Bewertung: 5,5/10

young-adult-3
© Paramount

6 Comments

  1. Sehr gute und hilfreiche Kritik. Ich hatte bisher nur kurze Handlungsbeschreibungen im Internet gelesen und war sehr erstaunt, als eine Freundin mir erzählte, wie enttäuscht sie von Young Adults gewesen sei. Nach ihrer Aussage wollte ich den Film eigentllch gar nicht mehr sehen, aber deine Rezension hat diese Einstellung glücklicherweise etwas revidiert. Jetzt bin ich zumindest auf das gefasst, was mich erwartet ^^

  2. dieses phänomen filme als komödien auszugeben obowhl es rein gar nichts zu lachen gibt ist mir in letzten zeit öfter aufgefallen (bei jeff, der noch zu hause lebt gings mir genauso …). ich vermute es liegt daran dass man, nur weil ein – zwei komödien schauspieler mitmachen, davon ausgeht, dass es lustig sein muss (diesmal lag es an patton oswalt … schätze ich)

    … ich finde es so schade für den film, denn wie du sagst … würde man nicht die halbe zeit darauf warten, dass es witzig wird, könnte man ihm mit anderen augen sehen, denn er ist wirklich nicht schlecht …

  3. Der Film ist ja auch ziemlich untergegangen. Schade eigentlich, denn Theron fand ich – wie immer – super in diesem Film. Die Erwartung, dass es eine Komödie sein sollte hatte ich nicht unbedingt – das hat eigentlich der Trailer – wenn meine Erinnerung mich nicht täuscht – auch gezeigt.

    Aber auch wenn, dann wird man doch sicherlich nach einer halben Stunde gemerkt haben, dass kein großer Gag mehr kommen wird und kann sich auf den Film auf andere Art und Weise einlassen 😉

  4. Pingback: Young Adult (2011) | Film-Blogosphäre

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.