Heimat im Dschungel: Hunt for the Wilderpeople

© Sony

Wenn Sam Neill im wilden Dschungel herumkriecht, sind nicht immer wütende Dinosaurier hinter ihm her – im herzerwärmend skurrilen Hunt for the Wilderpeople (bzw. auf Deutsch recht ungelenk betitelt Wo die wilden Menschen jagen) gibt der in Neuseeland aufgewachsene Schauspieler den bärbeißigen Einsiedler auf der Flucht vor dem Gesetz. Verfolgt wird er im Busch nicht von krallenklickenden Raptoren, sondern von einem rundlichen 13-jährigen, der lieber durchs Dickicht stolpert als schon wieder in eine andere Familie abgeschoben zu werden. Vom Schicksal zusammengekettet verstecken sich dabei im dichten Dschungel Neuseelands vor der Polizei, dem Jugendamt, Kopfgeldjägern und treffen dabei immer wieder auf recht eigentümliche Bewohner der Wildnis.

Der Regisseur dieser unvermutet erfrischenden Coming-of-Age-Geschichte ist der Neuseeländer Taika Waititi, der die Filmwelt bereits mit gleichermaßen unterhaltsamen wie empfehlenswerten Skurrilitäten wie Eagle vs. Shark oder 5 Zimmer Küche Sarg angereichert hat. Hunt for the Wilderpeople reiht sich mit ähnlich absurdem Humor und dem Ausleuchten sozialer Unannehmlichkeiten perfekt in die Filmografie des Regisseurs ein, dessen aktuelles Projekt Thor: Tag der Entscheidung ihn zumindest kurzfristig in die Hollywoodmühlen der Superheldenfilme katapultieren wird.

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Den Löwenanteil seines Charmes bezieht Hunt for the Wilderpeople aus seinem hervorragend ausgewählten Cast und den damit einhergehenden detailverliebt ausgearbeiteten Figuren. Sam Neill, dessen Rollenauswahl in der Vergangenheit durch außerordentliche Sprunghaftigkeit verblüffte (von brilliant in Peaky Blinders bis extrem seltsam in MindGamers), wirkt in der Rolle des schweigsamen Hec angekommen. Sein Alter und der passende buschige Bart stehen ihm gut und es gelingt ihm mühelos, dem kantigen Charakter mit schwieriger Vergangenheit das nötige Leben einzuhauchen. Als höchstmöglicher Kontrast wird ihm Julian Dennison als Ricky entgegengestellt, der ohne Schwierigkeiten gleichermaßen kindlich (und damit oftmals schreiend komisch) und ernsthaft auftritt.

Neben den lebhaften, oft sehr witzigen Dialogen und diversen Eigenartigkeiten (wie beispielsweise das hervorragende Geburtstagslied für Ricky) überzeugt der Film vor allem mit seinem Detailreichtum und den zahllosen wunderbaren Bildern. Das mit allerlei Kitsch vollgestopfte Haus der Familie inklusive Katzenpullover und Geborgenheit gebender Wärmflasche im Bett verlängert sich auf wundersame Weise in den nur selten gefährlich wirkenden Busch. Die Natur, gleichzeitig behagliches Versteck und gefährliches Terrain, wird immer wieder eindrucksvoll in Szene gesetzt und so zu einem wichtigen Protagonisten erhoben.

Hunt for the Wilderpeople ist ein ästhetisch interessanter und spannend inszenierter Film, der vor allem durch seinen hervorragend gewählten Cast besticht. Obwohl nicht ausnahmslos alle Pointen zünden und die Seltsamkeit an manchen Stellen ein wenig zu gewollt wirkt, ist er über weite Strecken überaus unterhaltsam und überzeugt bis zum Ende. Sehenswert.

Bewertung: 7,5/10

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