Let’s twist again: Freddy/Eddy

© Filmlawine

Der Maler Freddy hat ein kleines Problem: Seine Frau reicht die Scheidung ein. Das viel größere Problem ist allerdings ihr Grund dafür: Er soll sie geschlagen haben. Freddy bestreitet die Tat, sieht sich aber vor Gericht gezwungen, einen Vergleich zu unterschreiben, der sein Geständnis enthält. Freddy ist sich sicher, dass nicht er die Tat begangen hat, sondern sein imaginärer Freund Eddy, der genau so aussieht wie er, sich aber seit Freddys Kindheit eigentlich nicht mehr hat blicken lassen. Als Freddy immer mehr Dinge tut, an die er sich hinterher nicht mehr erinnern kann, spitzt sich die Lage immer weiter zu.

Das größte Problem von Freddy/Eddy ist, dass alles vorhersehbar ist und schon einmal da war, der Film aber den Eindruck erweckt, als wäre alles furchtbar innovativ. Gerade der Haupttwist wird unter so vielen Tricks und Logiklücken zu verstecken versucht, dass er genau dadurch absolut vorhersehbar ist. Auch lässt sich schwerlich der Eindruck unterbinden, ihn bereits in dieser Form schon einmal gesehen zu haben, ohne dass sich eine konkrete Vorlage festmachen lässt – vielleicht drängt schlicht die Vorhersehbarkeit zu dieser Annahme. Ganz so schlimm wie in Steig. Nicht. Aus! ist es allerdings nicht, was vorrangig daran liegt, dass Alvarts Film deutlich bekannteren Vorlagen nacheifert.

Bei Freddy und Eddy hat man tatsächlich den Eindruck, es handele sich um zwei Individuen. Was auf den ersten Blick wie ein Lob klingt, entpuppt sich bei genauerer Betrachung als Schwäche, denn leider bezieht sich diese Aussage weniger auf die fiktiven Charaktere, sondern den sie verkörpernden Schauspieler Felix Schäfer. Während er als Freddy starke Schwankungen zwischen okay und laienhaft in seinem Spiel zeigt, ist seine Performance als Eddy konstant gut. Auch dem restlichen Cast merkt man die unerfahrene Regie an; die Leistung von Greta Bohacek etwa liegt deutlich unter ihrem Niveau, Jessica Schwarz scheint gar keine Anweisungen bekommen zu haben und ein Routineprogramm abzuspulen, einzig Burghart Klaußner geht in seiner Rolle auf und hat sichtlich Spaß daran. Stilsicherer geht es da in der Tonabteilung zu, der Score ist dezent, aber präsent, die Soundeffekte sind gut gesetzt und vermögen manchmal sogar, über die Unsinnigkeit mancher Szenen hinwegzutäuschen.

Ähnlich wie Lux: Krieger des Lichts ist bei Freddy/Eddy im Grunde nur die letzte halbe Stunde gelungen. Es gibt zwei zwar kurze, aber gut inszenierte Kampfszenen, und generell fällt die Immersion leichter, was allerdings auch daran liegen könnte, dass man eine Stunde lang zermürbt wurde und mittlerweile sämtliche Plotholes resignierend akzeptiert hat. Als das Ganze kurz vor dem Ende steht, ist man dem Film gegenüber gar versöhnlich gesinnt – bis zu dem Moment, an dem man mental die Hände über dem Kopf zusammenschlägt, ein Stoßgebet gen Himmel schickt und „Bitte bitte jetzt nicht diese vorhersehbare Wende!“ denkt. Doch es ist bereits zu spät und Freddy/Eddy kann es sich nicht nehmen lassen, direkt vor dem Abspann noch einen vorhersehbaren, überflüssigen und letzten Endes sinnlosen Twist einzubauen, der lediglich durch die Szene nach den (immerhin einigermaßen kreativ gestalteten) Credits noch einmal unterboten wird. Der Film kann es auch nicht bei der Wendung an sich belassen, sondern übererklärt ihn vor und nach dem Abspann. Es wirkt, als würde dem Zuschauer nicht zugetraut werden, diesen vermeintlichen Meisterstreich zu verstehen.

Wenn ein Film hauptsächlich dafür bekannt ist, dass ihn niemand fördern wollte und sich jeder bemüht zu betonen, was für ein geringes Budget er hatte und was für ein Erfolg das wäre, dass er trotzdem erschienen ist, dann sind das alles schon deutliche Warnzeichen, dass es sich um einen schlechten Film handelt, der das Glück hat, sich hinter solchen Aussagen verstecken zu können. Der Film von Regiedebütantin Tini Tüllmann wurde für 75.000 Euro produziert und kam als Selbstverleih ins Kino, da weder Förderungen noch Verleihe Interesse daran hatten. Nach der Sichtung lässt sich sagen, dass Freddy/Eddy kein Totalausfall ist und die nicht zu unterschlagende Ausnahme des oben Gesagten darstellt, allerdings sind ihm die Unsicherheiten eines Anfängers, die Schwächen in Drehbuch und Regie deutlich anzumerken und es wäre kein Verlust für das Kino gewesen, wäre er als Direct-to-DVD erschienen, zumal er bildtechnisch selten übers Fernsehniveau hinauskommt. Unabhängig von der inhaltlichen Qualität ihres Erstlings kann man Tüllmann zu ihrem Engagement und Durchsetzungswillen, die sich für sie bezahlt gemacht haben, nur gratulieren.

Freddy/Eddy wirkt durch die vielen Anleihen bei anderen Werken wie ein Film, den man vor Jahren schon einmal gesehen und nur noch sehr dunkel in Erinnerung hat. Er scheint sich für sehr clever zu halten, was seine Vorhersehbarkeit umso schlimmer macht. Eine an sich gelungene letzte halbe Stunde wird mit der finalen Szene ruiniert.

Bewertung: 4/10

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