Vom Handybildschirm auf die Leinwand: Lazer Team

© Rooster Teeth Productions

Wenn ein YouTuber oder eine YouTuber-Gruppe den Sprung auf die große Leinwand wagt, kommt selten etwas Gutes dabei heraus. Das ist ausnahmsweise nicht nur in Deutschland so, wo Kartoffelsalat und Bruder vor Luder neue Maßstäbe für das Tiefstniveau setzten; auch amerikanischen YouTubern ist für ihre Kinoabenteuer wenig Wohlwollen seitens der Kritik beschert. So wurde beispielsweise Smosh: The Movie regelrecht zerrissen. Es ist nun mal eine Sache, fünf- bis zehnminütige YouTube-Videos für Kinder zu drehen, bei denen auch noch alle dreißig Sekunden Jumpcuts eingefügt werden können, um Verhaspler zu kaschieren, und eine ganz andere, Spielfilme für ein reflektiertes Publikum zu produzieren. Finanziell lohnen sich diese Unterfangen allerdings meistens, denn dank der Altersfreigabe lässt sich oft zweifach abkassieren, da sich Mitglieder der Zielgruppe von einem Elternteil begleiten lassen müssen.

Die Gruppe Rooster Teeth startete 2003 eine kleine Webserie, die beinahe schon mit der ersten Folge Kultstatus erreichte. Heutzutage ist das bei dem Überangebot kaum noch nachzuvollziehen, aber Red vs. Blue war Anfang des Jahrtausends in einem noch recht jungen Internet eine unfassbare Sensation, vor allem in Gamingkreisen. Die Serie, die sich um zwei rivalisierende Soldatentrupps dreht und Egoshooter persifliert, war ursprünglich für sechs bis acht Episoden geplant, kam aber so gut an, dass sie es mittlerweile auf 15 Staffeln und fünf Miniserien-Ableger gebracht hat. Mit anderen Worten: Rooster Teeth weiß, wie man im Internet Erfolg hat – und wie man diesen ausnutzt. Für Lazer Team konnten innerhalb eines Monats 2,4 Millionen Dollar über die Crowdfundingseite Indiegogo gewonnen werden, so viel wie noch für kein Filmprojekt davor oder seither. Der fertige Film wurde unter anderem auf YouTube Red veröffentlicht, dem Bezahlteil von YouTube, der hochwertigeren Content verspricht.

© Rooster Teeth Productions
Im Jahre 1977 erhält die US-Regierung eine geheime Nachricht von freundlich gesinnten Außerirdischen, welche sie vor kriegerischen Aliens warnen. Um sich der Bedrohung zu stellen, bildet das Militär ein Kind über fast vierzig Jahre zum Elitesoldaten aus. Zur Unterstützung senden die freundlichen Außerirdischen einen Kampfanzug mit Superkräften. Leider stürzt das UFO mit dieser Lieferung ab und der Anzug fällt vier Versagern in die Hände, welche nun jeweils mit einer der Superkräfte ausgestattet werden und für den ultimativen Kampf trainieren müssen.

Die Inhaltsangabe auf dem DVD-Cover endet mit „Klingt schrecklich … schrecklich lustig!“, einem rhetorischen Kniff, der sehr gut auf den Humor in Lazer Team vorbereitet. Der Film ist eine müde Science-Fiction-Parodie, bei der vergessen wurde, Witze einzufügen (zumindest welche, die über Fäkal- und Genitalhumor hinausgehen), und die oftmals weniger wie eine Parodie, sondern schlicht wie Ideendiebstahl wirkt. Während Red vs. Blue oft mit Originalität und lustigen Dialogen punkten konnte, findet sich davon in Lazer Team nichts wieder. Die Grundidee ist solide und birgt jede Menge Potenzial, hat aber gegen den kindisch-verspielten Ansatz der Macher keine Chance. Die Effekte sind in Ordnung und gemessen am relativ geringen Budget ganz gut. Der Kampfanzug ist cool gestaltet und die CGI-Schüsse wirken organisch eingewoben.

Wenn YouTube Red für Qualität stehen will, ist Lazer Team kein gutes Aushängeschild. Rooster-Teeth-Fans kann der Film empfohlen werden, ansonsten aber eher niemandem. Niemand käme auf die Idee, dass es sich bei den Machern um die kreativen Köpfe hinter Red vs. Blue handelt. Das Drehbuch ist faul geschrieben und wirkt als wäre jemand auf schnelles Geld aus.

Bewertung: 4/10

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