Ein Universum des Spaßes – Thor: Tag der Entscheidung

© Disney

Thor: Tag der Entscheidung ist richtig geil! Wer ihn noch nicht gesehen hat, sollte sofort aufhören diese Review zu lesen und stattdessen rausgehen, sich die Blu-Ray kaufen und sie auf dem größtmöglichen Bildschirm anschauen. (Danach aber natürlich sofort wieder zurückkommen, um weiterzulesen!)

Anders als Emoji – Der Film hat das dritte Soloabenteuer des Donnergotts natürlich eine etwas ausführlichere Besprechung verdient. Thor: Tag der Entscheidung – welcher im Original klangvoller Thor: Ragnarok heißt, sich aber aus rechtlichen Gründen hierzulande einen etwas umständlichen, aussagelosen und letzten Endes auch unpassenden Namen aufdrücken lassen musste – ist der mittlerweile siebzehnte Film im Marvel Cinematic Universe. Obwohl es zweifellos hilfreich ist, mit den anderen sechzehn Filmen vertraut zu sein, kann Thor: Tag der Entscheidung weitestgehend ohne großes Vorwissen genossen werden. Damit nicht genug macht der Streifen richtig Lust darauf, das MCU gegebenenfalls neu zu erkunden, und entfacht vor allem Vorfreude auf den kommenden Avengers: Infinity War.

Bevor nun der Eindruck erweckt werden könnte, bei Thor: Tag der Entscheidung handele es sich um die größte cineastische Offenbarung seit Amadeus, soll direkt etwas klargestellt werden: Thor: Tag der Entscheidung ist in erster Linie eine waschechte Komödie und danach ein Superhelden- und Actionfilm. Wer zu dem Titel greift und eine intellektuelle Stimulation philosophischen Ausmaßes erwartet, wird unweigerlich enttäuscht werden. Wer einfach eine gute Zeit verbringen will, wer seine Helden sehen will, die sich nicht zu ernst nehmen, ohne sich aber über die bisherigen Filme lustig zu machen – wer 130 Minuten lang unterhalten werden und Spaß haben möchte; wer mit einem Wort genau das sucht: Spaß – aus dem Filmfundus der letzten Jahre könnte ihm schwerlich eine bessere Empfehlung ausgesprochen werden als Thor: Tag der Entscheidung.

Tatsächlich ist der Plot, insbesondere das Pacing, die größte Schwäche des Films. Es ließe sich wahrscheinlich problemlos eine neunzigminütige Version aus dem vorhandenen Material schneiden, der storytechnisch gesehen nichts fehlen würde – aber bei Odin sind die „überflüssigen“ Szenen unterhaltsam und somit für eine Komödie fast schon essenziell.

Marvelfilme müssen sich seit jeher zwei Schwächen ankreiden lassen: Den Bösewicht und die Farbkorrektur. Thor: Tag der Entscheidung, der in seiner erzählerischen Grundstruktur ebenfalls der Marvelformel folgt, kann sich hiervon nicht lösen. Das Bild hätte von einer gesättigteren Farbgebung oftmals profitiert und bricht mit seinem Grading das Versprechen, welches das dazugehörige Poster zu geben schien. Hela, die Todesgöttin, wirkt durch ihren fulminanten ersten Auftritt als wäre sie die Lösung von Marvels Bösewichtproblem. Alsbald jedoch verkommt sie zu einer Expositionsfigur, die abgesehen davon, dem Zuschauer Informationen zu geben, wenig zu tun hat. Was sie als Gegenspielerin aber dennoch zu einem der besseren Antagonisten im MCU macht, ist Cate Blanchetts unfassbare Leidenschaft, mit der sie den Charakter verkörpert. Hela stiehlt jede Szene, in der sie erscheint, und Blanchett genießt jeden Auftritt aus vollem Herzen. Mit Korg und dem Grandmaster – verkörpert von Regisseur Taika Waititi respektive Jeff Goldblum – gibt es zwei weitere fantastische Charaktere, die ihrerseits jede Szene für sich einnehmen. Zum Glück teilen sich diese drei Figuren nie den Bildschirm – tauchten alle drei gleichzeitig auf, zur selben Zeit am selben Ort, das gesamte MCU würde auf epischste Weise implodieren. Die Spielfreude ist aber nicht für Blanchett alleine reserviert, ausnahmslos jeder Schauspieler bringt hier sein A-Game. Chris Hemsworth ist als Thor so gut wie nie zuvor und beweist ein hervorragendes Talent für komödiantisches Timing. Jeff Goldblum geht in der Rolle des Grandmasters vollends auf und ist so goldblumig wie selten. Tessa Thompson als neu eingeführter Badass-Charakter setzt starke Akzente und wenn ich jetzt wirklich jeden einzeln aufzählen würde, der ein Lob verdient hat, wäre die Kritik länger als das Drehbuch des Films.

Am Ende des Tages ist Thor ein Film, den man sich mit so wenig Wissen über die Handlung wie möglich ansehen sollte. Allein der Trailer hat schon mindestens zwei Momente gespoilert, die unvorbereitet im Film selbst noch zehnmal stärker gewirkt hätten. Das Filmposter hat seinerzeit reichlich Anlass zu Spekulation gegeben, nach der Sichtung von Thor: Tag der Entscheidung ist aber klar, dass es sich dabei tatsächlich um den gesamten Film gepresst in ein Bild handelt. Ich jedenfalls freue mich schon darauf, es in meinem Filmzimmer aufzuhängen, in dem Thor seit Eintreffen des Rezensionsexemplars bereits dreimal über den Bildschirm flimmerte und das sicher auch nicht zum letzten Mal getan hat.

Thor: Tag der Entscheidung ist fraglos der beste Teil der Thor-Trilogie und einer der besten MCU-Filme. Was ihm an ausgefuchstem Plot fehlt, macht er durch Humor, Action und einen überaus spielfreudigen Cast mehr als wett.

Bewertung: 8/10

2 Comments

  1. Mir ging es gerade umgekehrt: Ich fand Cate Blanchett ziemlich stark und Tessa Thompson schwach. Das lag aber, denke ich, am schwachen Drehbuch, dass hauptsächlich durch improvisierte Dialoge wieder etwas aufgepeppt wird. Nichtsdestotrotz hatte ich eine gute Zeit im Kino. Davon abgesehen: Taika Waititi hat seit WHAT WE DO IN THE SHADOWS einen Stein bei mir im Brett. Auf den lasse ich nichts kommen.

    1. Hallo Franziska,

      danke für deinen Kommentar, ich habe ihn eben erst gesehen.
      Was meinst du damit, dass du Cate Blanchett umgekehrt ziemlich stark fandest? Ich sie doch auch. Oder meinst du die Rolle?

      Auf Waititis neuen Film bin ich ja auch schon gespannt.

      Beste Grüße
      Jaschar

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