Den richtigen Zeitpunkt verpasst: Snowden

© Universum/Walt Disney Studios Motion Pictures Germany GmbH

Smartphones können nicht nur in fiktiven Werken wie Bedeviled zu einer Gefahr werden, sondern bergen auch im realen Leben einige Risiken. So kann der Nutzer beispielsweise in Folge übermäßiger Integration des kleinen Geräts in den Alltag eine regelrechte Abhängigkeit entwickeln. Mitte 2013 enthüllte Edward Snowden der Welt allerdings eine wesentlich komplexere Bedrohung, als der NSA-Mann zum Whistleblower wurde und bekannt gab, dass diverse Geheimdienste den Großteil der Bevölkerung über ihre Handys ausspionieren. Daraufhin wurde sich fleißig auf Facebook empört (was nicht einer gewissen Ironie entbehrt), aber wie immer ebbte auch dieser „Widerstand“ bald ab. 2014 erschien Laura Poitras‘ Dokumentarfilm Citizenfour, der ihre Treffen mit Snowden zeigt und 2015 mit dem Oscar prämiert wurde. Danach sank das öffentliche Interesse stark und so kam Oliver Stones Film vermutlich einfach zu spät – der von Dezember 2015 auf schließlich September 2016 verschobene Snowden konnte selbst weltweit sein Budget nicht einspielen und war darüber hinaus einer der größten Flops des Jahres. Es gilt sich aber vor Augen zu halten, dass finanzieller Erfolg oder Misserfolg nicht zwingend kausal mit der Qualität eines Films verbunden ist.

Der 21-jährige Edward Snowden möchte zum Luftlande-Sondereinsatzkommando und verpflichtet sich daher zum Wehrdienst. Ein Unfall beendet diesen Traum, er muss aus der Armee entlassen werden. Snowden bewirbt sich daraufhin bei der CIA, wo er in virtueller Kriegsführung ausgebildet wird, und landet schließlich bei der NSA. Dort merkt er bald, dass diverse Programme nicht nur als theoretisches Notfallmittel, sondern zur tatsächlichen Überwachung benutzt werden.

© Universum/Walt Disney Studios Motion Pictures Germany GmbH

Joseph Gordon-Levitt überzeugt in der Rolle des Protagonisten, den der Film von 2004 bis 2013 begleitet. Wie in The Walk übernimmt er damit erneut die Hauptrolle in einer fiktiven Aufarbeitung eines Ereignisses, das bereits in einem oscarprämierten Dokumentarfilm besser behandelt wurde. Dass Oliver Stone auf dem Regiestuhl Platz genommen hat, ist wenig verwunderlich: Seine Filmographie gibt Zeugnis seiner Präferenz für historische und politische Themen. Seit dem 1999 erschienen An jedem verdammten Sonntag lässt sich aber kaum ein richtig guter Film von ihm finden. Das erhoffte Comeback kann Stone mit Snowden nicht leisten, auch wenn er damit offensichtlich an JFK – Tatort Dallas anknüpfen möchte, in dem ebenfalls gegen die Lügen der Regierung vorgegangen wird.

Snowden weist einige Längen auf und bietet erzählerisch wenige Überraschungen. Stone vermeidet jedwede moralische Hinterfragung von Snowdens Verrat und stellt ihn als entschlossenen Helden dar. Das ist ein an sich legitimer Ansatz, wirkt hier aber langweilig, da es an Konflikten fehlt. Der Film-Snowden macht einfach die Dinge, die er macht, ohne irgendwelche physische oder psychische Hindernisse überwinden zu müssen. Dem Zuschauer werden Einblicke in Snowdens innere Zerrissenheit verwehrt, das einzige Dilemma ist die on-/off-Beziehung mit seiner Freundin (Shailene Woodley), die unter Snowdens Arbeitsstress leidet.

Snowden kam zu spät um Relevanz zu besitzen, bleibt bei seiner Story und der Umsetzung etwas zu konventionell und hat maximal einen geringen Wiederanschauungswert. Für die starke schauspielerische Leistung und die künstlerische Entscheidung am Ende lohnt sich aber eine einmalige Sichtung.

Bewertung: 6/10

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