Die letzte Sau

© Neue Visionen

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Der schwäbische Kleinbauer Huber ist ein Pechvogel wie er im (Dreh)Buche steht. Bett, Schaufel und Schubkarre brechen auseinander, in der Dusche gibt es kein warmes Wasser, Geld für eine anscheinend dringend benötigte Zahnbehandlung ist nicht da und weil das alles noch nicht reicht, wird sein Haus von einem Meteoriten eingerissen. Da er nichts mehr zu verlieren hat, schnappt er sich das titelgebende Tier von seinem Hof und schwingt sich mit seinem Gewehr auf sein Moped, um planlos in die Welt hinaus zu fahren. (Das Zahnproblem spielt übrigens nie wieder eine Rolle. Vielleicht ist es von den Machern vergessen worden, nachdem es für die überzeichnete Charakterisierung eingeführt wurde.)

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Die letzte Sau ist ein Roadmovie. Aber auch ein Heimatfilm. Ein Dialektfilm. Und nicht zuletzt auch eine Art Musikfilm.
Es ist in solchen Filmen ein beliebter Kniff, mit der Sprache zu spielen, die Diskrepanz zwischen Hochdeutsch und Dialekten herauszustellen und Missverständnisse drauf aufzubauen. Gelingen will das hier allerdings nicht. Es ist schon unglaubwürdig genug, dass der Bankberater das „Händ nuff“ eines Bankräubers nicht versteht, aber wenn jeder andere in der Bank die Hände hoch nimmt, dann wirkt es fast schon lächerlich, dass der Banker nochmals nachfragt, was denn gemeint sei (und Hubers Antwort „die Händ nuff“ dann plötzlich doch versteht). Ganz abgesehen davon, dass das Händeheben mit Ausnahme einer Schockstarre die natürlichste Reaktion darauf ist, wenn jemand ein Gewehr auf einen richtet, insbesondere bei einem Banküberfall.

Keiner der Darsteller, die aus der Perspektive des Films einen der „Bösen“ spielen, liefert eine überzeugende Performance ab, während die „Guten“ allesamt glaubhaft verkörpert werden. Ob das so gewollt oder Zufall ist, lässt sich nicht sagen. Dem Film ist damit jedenfalls nicht geholfen. Herbert Knaups Stimme aus dem Off ist wunderbar, er hält aber über weite Teile des Films die Gosch, wie er sich in seiner Rolle wohl selbst ausdrücken würde. Es ist fraglich, ob ein Voice-Over-Erzähler 2016 wirklich noch sein muss, insbesondere wenn er ein wenig willkürlich eingesetzt scheint und der Film fast genau so gut ohne funktionieren würde. Auch die diversen Musikeinlagen, in denen meist ein einzelner Charakter vor sich hin singt, tragen sehr wenig zum Film bei und hätten überwiegend weggelassen werden können. Weder bringen sie die Story voran noch haben sie einen besonders großen Unterhaltungswert.

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Die letzte Sau spricht viele Themen an, die durchaus einer kritischen Hinterfragung bedürfen (Massentierhaltung, Bankkredite, Privatisierung der Natur, Einsatz von Pestiziden), ohne den Zeigefinger allzu sehr zu erheben. In Kombination mit der oben angesprochenen Verteilung des Schauspieltalents kommt man aber nicht umhin, sich hier und da doch moralinsauer belehrt zu fühlen. Abgesehen davon wird dem Zuschauer generell die Möglichkeit gegeben, seine eigenen Schlüsse zu ziehen. Am Ende steht Huber, (auch optisch) dem Messias gleich, in einer besseren Welt. Er hat still und leise, zumindest in der Filmrealität, wirklich einiges bewegt, und ohne sein Wissen zahlreiche Menschen inspiriert, eine Art Revolution zu starten und die Missstände zu beheben.

Im Abspann werden folgende Positionen aufgelistet: „Redaktion (ZDF / Das kleine Fernsehspiel)“, „Redaktion (arte)“ sowie „Produktionsleitung ZDF“. Tatsächlich handelt es sich bei Die letzte Sau um einen weiteren deutschen Film, der auf die große Leinwand geworfen wird, im Fernsehen aber wesentlich besser aufgehoben wäre. Momentan geistert erneut die immer mal wieder aufkommende Debatte, wieso der deutsche Film im internationalen Vergleich derart hinterher hinkt, durch die einschlägigen Medien. Meiner Meinung nach ist genau dieses gängige Verfahren einer der Hauptgründe dafür: Dass man auf Gedeih und Verderb Fernsehproduktionen ins Kino bringt.

Eine Warnung zum Schluss: Der Film ist teilweise sehr graphisch und zeigt die Kastration eines Ferkels sowie die Schlachtung eines Schweins. Das Ganze wirkt so echt, dass es das wahrscheinlich auch ist. Wenn nicht, ist es verdammt gut inszeniert.

Bewertung: 4/10

Die Schöne und das Biest (2014)

© Concorde

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Bei Die Schöne und das Biest denkt man vermutlich erst einmal automatisch an Disneys Zeichentrickmusical von 1991. Tatsächlich aber basiert dieses auf einem französischen Volksmärchen und so sollte man von einer französischen Realfilmadaption nicht allzu überrascht sein.

Nachdem ein Händler auf der Reise nach Hause bei einem scheinbar verlassenen Schloss eine Rose pflückt, erscheint ein Biest, das ihn für dieses Vergehen auffordert, ihm seine Tochter auszuliefern: une vie pour une rose – ein Leben für eine Rose. Als Belle, die Tochter des namenlosen Kaufmanns, bei seiner Rückkehr von diesem Deal erfährt, zögert sie nicht, sich gegen den Willen ihres Vaters aufs Pferd zu schwingen und sich dem Biest selbst auszuliefern.

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Die Schöne und das Biest ist vor allem eines: bildgewaltig. Die Kameraführung ist makellos und in Verbindung mit den mehr als gelungenen Effekten liefern uns Regisseur Christophe Gans (Pakt der Wölfe) und Kameramann Christophe Beaucarne einen wahrhaftigen Märchenfilm. Der Fokus liegt eindeutig darauf, visuell zu überwältigen, und Gans schafft es damit auch sehr gut, von ein paar Unzulänglichkeiten abzulenken.

So schadet dem Film beispielsweise ein wenig die gewählte Erzählweise in Form einer vorgelesenen Geschichte, insbesondere durch das somit vorhersehbare Ende. Zu oft wurde dieser Kniff schon angewendet, was an sich nicht schlimm wäre, doch abgesehen von ein bisschen zusätzlicher Laufzeit bei ohnehin schon fast zwei Stunden Gesamtdauer trägt es nichts zum Film bei. Stattdessen hätte man mehr Szenen mit den im Schloss wohnenden Hundewelpen einbauen können oder sollen, die für eine gewisse Leichtherzigkeit sorgen, aber viel zu selten und zu kurz zum Einsatz kommen.

Mit Ausnahme der Darsteller der titelgebenden Figuren bleibt das Schauspiel unbeeindruckend. Es ist beileibe nicht schlecht – alle machen ihre Sache gut genug, um den Zuschauer nicht aus dem Filmgeschehen zu reißen -, aber große Momente lässt die Darbietung vermissen. Besonders hervorzuheben ist Vincent Cassel. Sein Spiel und seine Stimme vermitteln überzeugend die mystische Aura des Biestes.

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Als Einzelszene hervorgehoben werden soll hier ein Tanz zwischen Belle und dem Biest, um den sie ihn bittet. Im Gegenzug hat er ihr einen letzten Tag mit ihrer Familie zu gewähren. Dieser Tanz ist nicht nur wunderschön inszeniert (dieser Film ist visuell eine Wucht!), sondern auch eines der wenigen Zeichen von Romantik, welche auf den ersten Blick generell etwas zu kurz kommt. Nur subtil werden die Gefühle zwischen den Protagonisten gezeigt. Man muss sich ganz auf diesen Film einlassen, in ihm versinken, um hinter die Fassade von technischer Spielerei und opulenter Optik sehen zu können. Selbst dann aber bleibt Belles Wandel gegen Ende ein wenig überraschend und vielleicht auch unglaubwürdig – aber es ist nun mal ein Märchen und daher soll an dieser Stelle weitgehend auf eine gar zu strenge Rationalisierung verzichtet werden.

Fazit: Trotz nicht von der Hand zu weisenden Schwächen im narrativen Bereich bleibt Die Schöne und das Biest ein wahrlich märchenhaftes Erlebnis.

Bewertung: 8/10

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Clay Dissaray – Geknetete Filmposter

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Knete: für die meisten ist die bunte Masse ein Relikt aus alten Kindertagen, manche künstlerisch ambitionierte Menschen nutzen die formbare Substanz jedoch auch als Erwachsene als Werkzeug für verträumt schöne Kunstwerke. Die britische Knetkünstlerin Lizzie Campbell lässt sich am liebsten von Filmen inspirieren und schafft knetastische Alternativen und Nachbildungen von Filmpostern. Auf ihrer Webseite gibt es noch viel mehr geknetete Kunst und einige Do-it-yourself-Tipps für Knetbegeisterte.

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Fast Convoy – Tödlicher Transport

© Universum

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Filme und Autos sind sehr eng miteinander verknüpft. Beide sind Erfindungen des ausgehenden 19. Jahrhunderts, beide haben mit Bewegung zu tun, beide sind technische Revolutionen, die das 20. Jahrhundert entscheidend geprägt haben. Seit es Autos gibt, werden sie in Filmen eingesetzt, und das nicht selten sehr prominent. In Spielbergs Duell ist der faktische Antagonist ein Auto, in No Turning Back fährt Tom Hardy 85 Minuten lang in einem Auto. Auch Fast Convoy – Tödlicher Transport spielt sich größtenteils in Autos ab. Was für mich in No Turning Back nicht funktionierte, geht hier gut auf – da uns eben nicht nur ein Mann in einem Auto gezeigt wird.

Über eine Tonne Cannabis gilt es von Malaga nach Paris zu transportieren. Zwölf Mal haben die sieben Männer die Tour schon absolviert, beim dreizehnten Mal jedoch geht – man möchte fast sagen: naturgemäß; zumal einer der Beteiligten danach aus dem Drogengeschäft aussteigen möchte – einiges schief. Angefangen von den unerwarteten zusätzlichen sieben Kilo Koks in einem der Autos (welche die Strafe beim Erwischtwerden von drei Jahren maximum auf zehn Jahre minimum erhöhen) über eine überraschende Polizeikontrolle, die seitens der Protagonisten in einem Toten und einem Verletzten endet, bis hin zu einem geheimnisvollen Verfolger, der weder mit der Polizei noch den Zollfahndern etwas zu tun hat und ganz eigene Ziele verfolgt.

© Universum

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Frédéric Schoendoerffers Film ist kompromisslos. Nur zwei Farbfilter werden benutzt, diese dafür konsequent: sepiagelb für den Tag, blaugrau für die Nacht. Dazwischen gibt es nichts. Das sorgt für einen coolen Look, der zum Geschehen passt, denn der Farbwechsel geht einher mit einem Bruch in der Geschichte. Verstärkt wird der Effekt durch die gut durchdacht wirkende Kameraführung, mal dynamisch, mal statisch. Jedes Bild wirkt virtuos in Szene gesetzt.

Auf der Fahrt nach Paris sehen wir überwiegend die Fahrer in den verschiedenen Autos. Sie unterhalten sich jeweils miteinander, dank Handys auch mal untereinander, sowohl über den Transport als auch über ihre Probleme oder Banalitäten. Gerade dieser Mix sorgt für Spannung und führt das Konzept zum Erfolg. In jedem der vier Autos sitzen andere Menschen mit anderen Hintergrundgeschichten, für genügend Abwechslung ist also gesorgt. Das von der Polizei erschossene Mitglied des Konvois wird bald darauf durch eine Frau ersetzt, die der Verletzte kurzerhand entführt, und auch sie fügt dem Film eine weitere Note hinzu, die keine Langeweile aufkommen lässt.

Der Film mündet in einem recht vorhersehbaren Ende und verlangt vom Zuschauer ein etwas zu hohes Maß an suspension of disbelief ab. Die sieben Kilo Koks wirken anfangs wie als MacGuffin konzipiert, werden aber später aus Versehen vernichtet und spielen von da an keine Rolle mehr. Unbestritten werden sie eingeführt, um die Spannung zu erhöhen, doch da sich keinerlei Konsequenzen daraus ergeben, hätte man gut darauf verzichten können.

Das Schauspiel ist durchweg überzeugend, obwohl der Großteil des Casts eher unerfahren ist und nur eine überschaubare Filmographie vorweisen kann. Mit Benoît Magimel hat Fast Convoy allerdings auch einen großen französischen Darsteller in einer der Hauptrollen vorzuweisen.

Insgesamt ist Fast Convoy ein gekonnt inszenierter Thriller, der sich Formelhaftigkeit und leichte Logikfehler vorhalten lassen muss. Genrefans sei er uneingeschränkt empfohlen.

Bewertung: 6/10

Wooooooooosh: A fast motion supercut

© Warner-Columbia

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Pünktlich zum Wochenstart gibt es eine Lehrstunde zum Thema Schnelligkeit – möge der Weg zum Wochenende schnell überwunden werden. Auf dem Lehrplan: hyperschnelle Szenen und vorgespulte Filmwirklichkeit aus einigen Lieblingsbewegtbildern. Wooooooooooooooooooosh!

Amadeus

© Warner Bros Film GmbH

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In der Unterstufe forderte meine Musiklehrerin die Klasse dazu auf, folgenden Satz ins Heft zu notieren: „Jaschar ist ein wandelndes Musiklexikon.“ Mit meinem Fachwissen über Komponisten, darunter vor allem Mozart, sicherte ich mir bei ihr die ein oder andere mündliche 1. Heute ist von dem umfangreichen Detailwissen nicht mehr allzu viel übrig, Mozarts Musik aber hat von klein auf eine wichtige Rolle in meinem Leben gespielt und natürlich habe ich auch Filme über ihn gesehen. Einige waren okay, andere gut. Und dann gibt es noch Amadeus.

Amadeus basiert auf dem gleichnamigen Theaterstück des vor Kurzem verstorbenen Peter Shaffers, welcher auch das Drehbuch schrieb. Der Film beginnt damit, dass Antonio Salieri 1823 hinter verschlossenen Türen lauthals seinen Mord am 1791 verstorbenen Mozart gesteht und daraufhin versucht, sich umzubringen. Seine Diener können gerade noch rechtzeitig ins Zimmer eindringen und Salieri wird in eine Irrenanstalt eingewiesen. Dem Priester, der ihn dort besucht, erzählt er ausführlich davon, wie er selbst zur Musik kam und wie er Mozart traf, den er bald als den irdischen Gesandten seines Erzfeindes ansehen sollte. Als Salieri dem Priester einige seiner eigenen Stücke auszugsweise vorspielt, erkennt dieser keines davon. Kaum stimmt Salieri Mozarts „Eine kleine Nachtmusik“ an, summt der Priester nach nicht mal zwei Takten freudig mit und uns wird vermittelt: Salieri muss sehr darunter leiden, sich dessen gewahr zu sein, nie an Mozarts Genie oder Ruhm zu reichen.

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F. Murray Abrahams Darstellung des Salieri gehört zu den besten der Filmgeschichte und Tom Hulce als Mozart steht ihm in nichts nach. Beide waren zu recht für den Oscar als Bester Hauptdarsteller nominiert und ich persönlich stelle mir – zugegebenermaßen etwas pathetisch verklärt – gerne vor, dass Abraham die Auszeichnung mit lediglich einer Stimme Unterschied gewann. Verdient hätten ihn beide zu gleichen Teilen, denn nicht nur spielt jeder für sich hervorragend, ihr Zusammenspiel führt einem vor Augen, wie sehr diese Darsteller ihre Rollen verinnerlicht haben. Vielleicht ist der Sieg Abrahams aber auch als der letzte und einzige Sieg Salieris über Mozart zu sehen, der mithilfe der Academy endlich seine Rache nehmen konnte. Eine Nominierung als beste Nebendarstellerin hat Elizabeth Berridge für ihre Rolle als Constanze Mozart nicht bekommen, auch wenn diese durchaus gerechtfertigt gewesen wäre – vor allem wenn man bedenkt, dass sie diese erst bei Drehbeginn übernahm. Unter Formans Regie brilliert der gesamte Cast.

Es hätte keine bessere Besetzung für Mozart geben können als Tom Hulce. Als Salieri Mozart das erste Mal sieht, ist er entsetzt darüber, was für ein infantiler, obszöner Kerl sich hinter dem musikalischen Genie verbirgt. Hulce verkörpert diesen scheinbaren Widerspruch perfekt (und sein Charakter ist sich dessen auch bewusst: „Forgive me, Majesty. I’m a vulgar man! But I assure you, my music is not.“). Salieris Welt wird in ihren Grundfesten erschüttert. Verdankt er seiner Meinung nach seinen bisherigen musikalischen Erfolg Gott, mit dem er einen Pakt geschlossen hat, so bricht er im Laufe der Erzählung mit dem Schöpfer. Immerhin ist es Gott, der ihm Mozart vor die Nase setzt und ihn damit verhöhnt – und das sogar vor den Augen des Kaisers und den anderen Hofkomponisten, als Mozart einen von Salieri komponierten Willkommensmarsch nach einmaligem Hören aus dem Kopf nachspielt, unverblümt kritisiert und Verbesserungsvorschläge vorklimpert. Nicht um Salieri zu demütigen, sondern aus Liebe zur Musik – was der verblendete Salieri natürlich nicht versteht.

Ausgehend davon ist auch der Titel gut gewählt. Obwohl der Protagonist Salieri (einige argumentieren, man hätte den Film „Antonio“ nennen sollen) und der Antagonist Gott ist, geht es doch die meiste Zeit um Mozart, dessen Name heutzutage mit Wolfgang Amadeus Mozart angegeben wird. Amadeus leitet sich von Amadé ab, der französischen Version des eigentlichen Namens Theophilus („Gottlieb“), die Mozart selbst benutzte. Ist es anfangs noch die Liebe zu Gott, die Salieri leitet, schlägt diese immer mehr in Hass um. Der Name bedeutet aber auch „von Gott geliebt“, und so sehr Salieri das gerne wäre – Mozart ist es, dem die Gunst des Schöpfers vergönnt ist. Salieri arbeitet hart, während Mozart sein Talent kaum weiter beachtet und sein Leben versäuft. Dennoch ist es letzterer, der die Anerkennung bekommt, nach der ersterer sich verzweifelt sehnt, Mozart erschafft die großartigen Werke, von denen Salieri träumt. Gottes Wege sind unergründlich oder wie Salieri es im Film während seiner Beichte ausdrückt: „There is no God of mercy, Father. There is a God of torture.“

© Warner Bros Film GmbH

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Es fällt schwer, etwas Negatives an diesem Film zu finden. Sicher – man könnte ihn für mangelnde historische Akkuratesse kritisieren. Wer historische Fakten über Mozart oder die Zeit, in der er lebte, erhalten möchte, ist mit einer Dokumentation oder einem Sachbuch gut beraten. Wer aber einen brillanten Film sehen möchte, wer versteht, dass ein Film tatsächlichen Ereignissen keine Rechenschaft schuldig ist, wer sich bewusst darüber ist, wer der (möglicherweise unzuverlässige) Erzähler des Films ist, wer eine packende Geschichte miterleben möchte, wer großartige Kameraführung und noch besseres Schauspiel sehen möchte, wer sich von herausragend komponierter Musik verzücken lassen möchte – dem kann Amadeus nicht nachdrücklich genug empfohlen werden.

Die deutsche Synchronisation – die sich als solche oft den Vorwurf von Fehlübersetzungen oder unpassenden Sprechern gefallen lassen muss – beraubt den Film in keinster Weise seines Esprits. Naturgegeben ist sie anders, aber auf ihre Weise dem Original ebenbürtig. Amadeus ist der einzige mir bekannte Film, der in beiden Sprachen gleichermaßen perfekt funktioniert – und zwar bezogen sowohl auf die Dialoge als auch auf die Sprecherstimmen. Ausgenommen hiervon werden muss die deutsche Synchronisation des Director’s Cuts, bei der einige Stimmen und Dialogzeilen ausgetauscht wurden. Im Original aber war der Director’s Cut die ursprüngliche Fassung, bevor sie fürs Kino gekürzt wurde – zu ungewiss war, ob ein derart ungewöhnliches Biopic beim Publikum ankommen würde. Bei seinem Erscheinen 1984 überwältigte Amadeus Kritiker und Zuschauer, und 2002 wurde der Film abermals ins Kino gebracht – diesmal in Form des Director’s Cuts.

Ich sträube mich generell dagegen, einen Film mit der Höchstwertung (oder dem Gegenteil) zu bedenken. 10/10 bzw. 1/10 sind für mich eher abstrakte Konstrukte, virtuell unerreichbare Extreme. Es geht immer noch etwas besser bzw. man findet in jedem Film noch irgendetwas, das nicht furchtbar ist. Amadeus ist – wenn auch einer der sehr wenigen – nicht der einzige Film, dem ich die volle Punktzahl gebe, aber der einzige, den ich als Meisterwerk bezeichne.

Bewertung: 10/10

Game of Thrones: Staffel 6 zusammengegif’d

Die sechste Staffel Game of Thrones ist zu Ende, jetzt ist wieder Warten angesagt. Der Illustrator und Animationskünstler Eran Mendel (vermutlich nicht mit den Erbsen verwandt) hat sich einige der Highlights aus der Staffel herausgepickt und zu schicken und witzigen Gifs verwandelt. Für jede Folge gibt es ein bezeichnendes Gif und mit ein bisschen Betteln und Flehen auf seiner Facebook-Seite macht er bestimmt noch mehr.

Episode 1: The Red Woman

Episode 1: The Red Woman

Episode 2: Home / Hodor

Episode 2: Home / Hodor

Episode 3: Oathbreaker / A Girl has no name

Episode 3: Oathbreaker / A Girl has no name

Episode 4: The Book of a stranger / The Unburnt

Episode 4: The Book of a stranger / The Unburnt

Episode 5: Hold the door / Bran has a new buddy

Episode 5: Hold the door / Bran has a new buddy

Episode 6: Blood of my Blood / Uncle Benjen on Trick Pony

Episode 6: Blood of my Blood / Uncle Benjen on Trick Pony

Episode 7: The Broken Man / The Hound's Wishful Thinking

Episode 7: The Broken Man / The Hound’s Wishful Thinking

Episode 8: No One / Sparrows vs. Mountain

Episode 8: No One / Sparrows vs. Mountain

Episode 9: Battle of the Bastards / Bye Bye Ramsay

Episode 9: Battle of the Bastards / Bye Bye Ramsay

Episode 10: The Winds of Winter / Shame Shame Shame

Episode 10: The Winds of Winter / Shame Shame Shame

 

Er ist wieder da

© Constantin Film

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Er ist wieder da basiert auf dem gleichnamigen Buch von Timur Vermes und befasst sich als Gedankenexperiment mit den möglichen Ereignissen, die auf die Rückkehr von Adolf Hilter in unsere heutige Zeit folgen könnten. Nachdem er die Situation erfasst und akzeptiert hat, werden recht bald Sendechefs eines Fernsehsenders auf ihn aufmerksam, die ihn für einen Hitlerimitator und vorüzglichen Comedian halten. Er bekommt seine eigene Show und darf nun in gewohnter Manier zum Volk sprechen. Keiner scheint zu merken, dass es ihm ernst ist und dass er nach und nach immer mehr Leute auf seine Seite zieht, um ein neues Drittes Reich aufzubauen.

© Constantin Film

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Er ist wieder da beginnt mit einer kurzen Szene, die keine inhaltliche Relevanz hat, sondern zwei Dingen dient: Einen schlechten Wortwitz unterzubringen und, natürlich der Hauptzweck, die formale Herangehensweise des Films zu etablieren. Wie in Borat werden am Set inszenierte und in der wirklichen Welt improvisierte Szenen vermischt. Letzteres ist auch die Erklärung dafür, wieso man Oliver Masucci die Verkörperung Hitlers anvertraute – und nicht etwa Bruno Ganz (Hitler in Der Untergang –  für mich der beste Filmhitler) oder, für Satire passender, Christoph Maria Herbst (Alfons Hatler in Der Wixxer) oder Michael Kessler (Hitler in Switch). Bei allen dreien wäre der Wiedererkennungswert zu hoch und Szenen in der wirklichen Welt kaum möglich gewesen. Herbst und Kessler haben feste Rollen in der fiktiven Welt und sogar ihre Hitlerdarstellungen kommen als Videoausschnitte vor. Herbst darf sich in ein bis zwei Szenen selbst parodieren sowie in einer der besten Szenen des Films eine großartige Hommage an Der Untergang in Form einer detailliert nachinszenierten Szene absolvieren.

Eine explizite Antwort auf die Frage, warum oder wie Hitler auf einmal wieder da ist, gibt der Film nicht. Fernsehjournalist und Hitlers Führer (no pun intended) durch die neue Welt Fabian Sawatzki (gespielt von Fabian Busch) erinnert in Bezug auf Typ und Kleidung dafür sehr an Marty McFly aus Zurück in die Zukunft – bloße Reminiszenz auf der Metaebene oder ein möglicher Hinweis, dass Hitler sich im Führerbunker nicht umgebracht, sondern vielleicht eine Zeitreise gestartet hat? Ganz von der Hand zu weisen ist die Theorie nicht – schließlich ist es Fakt, dass Hitler lebend in der Filmgegenwart auftaucht – , aber sie lässt sich auch nicht mit genügend Anhaltspunkten untermauern (Sawatzki stößt später auf ein starkes Indiz für diese Theorie, allerdings muss kritisch hinterfragt werden, ob dies nicht etwa im Rahmen einer unzuverlässigen Erzählung geschieht). Der Film stellt die Frage nach dem Warum aber auch gar nicht, sondern konzentriert sich erfreulicherweise weitestgehend auf das, womit er sich beschäftigen möchte: Die Folgen von Hitlers Erscheinen. Handlungsstränge wie Sawatzkis Liebelei mit der Kollegin wirken allerdings störend und tragen nichts zur Geschichte bei.

© Constantin Film

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Er ist wieder da ist ein einigermaßen unterhaltsamer Film mit durchweg überzeugendem Schauspiel, der aber in sich nicht konsequent genug ist. Es ist durchaus schockierend, wenn ein in der wirklichen Welt befragter NPDler – nachdem die Kamera auf seine Bitte hin scheinbar ausgeschaltet wurde – freimütig zugibt, für Hitler im Krieg sterben zu wollen. Dennoch haftet den meisten Szenen in der vermeintlichen wirklichen Welt der Eindruck an, dass sie vielleicht doch inszeniert wurden, was die Wirkung ziemlich schmälert. Des Weiteren muss bedacht werden, dass aus dem mehrere hundert Stunden umfassenden Material nur ein Bruchteil ausgewählt wurde und diese Auswahl im Sinne einer Inszenierung getroffen wurde und nicht repräsentativ sein muss. Das ist nichts zwingend Negatives – es handelt sich immerhin nach wie vor um einen Spielfilm und nicht um eine Dokumentation. Im Sinne der Inszenierung ist Polemik eine gute Entscheidung, nur wurde sie nicht weit genug getrieben. Aussagen von Hitler, wie etwa „Haben Sie sich nie gefragt, warum mir die Leute folgen? Weil sie im Kern genauso sind wie ich.“, schockieren durch ihre im Film transportierte Glaubwürdigkeit, bleiben aber die Ausnahme.

Bewertung: 6/10

A Million Ways to Die in the West

© Universal Pictures

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Albert ist ein Farmer, sein Spezialgebiet sind Schafe und sein ganzer Hass gilt dem wilden Westen, den er für einen besonders lebensfeindlichen Ort hält. Nachdem seine Freundin ihn für einen schnurrbarttragenden Schönling, dem der Erfolg nur so zuzufliegen scheint, verlässt, setzt Albert alles daran sie zurückzuerobern und fordert den Störenfried zum Duell. Glücklicherweise taucht die taffe Anna auf, die dem Schäfer innerhalb von sieben Tagen nicht nur das Schießen, sondern auch eine ordentliche Portion Selbstbewusstsein beibringt.

Es ist ein Rätsel wie Seth MacFarlane hochkarätige Schauspieler wie Charlize Theron oder Liam Neeson dazu bekommen hat, bei A Million Ways to Die in the West mitzuwirken, der Cast ist nämlich im Grunde das einzige Sehenswerte an der Wildwest-Blödelei. Hätte der milchgesichtige MacFarlane mit unbekannteren Gesichtern gearbeitet, wäre seine eigene schauspielerische Eindimensionalität vielleicht weniger aufgefallen. Neben einem Charakterdarsteller wie Giovanni Ribisi, der seinen besten Freund spielt, kann MacFarlane, dessen mimische Gefühlspalette offenbar nur von traurig/treudoof bis leicht schockiert reicht, keine gute Figur machen.

© Universal Pictures

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Für eine Komödie reichlich ungünstig erweist sich auch die Tatsache, dass der große Teil der angelegten Gags nicht zündet. Besonders problematisch ist MacFarlanes Versuch, die komische Struktur, die bei Family Guy vorherrscht, in A Million Ways to Die in the West zu übernehmen. Die komödiantischen Ausflüge, die im Dialog angedeutet werden und anschließend in kurzen eigenständigen Szenen durchgespielt werden, funktionieren selbst in der Animationsserie nicht immer perfekt – im Spielfilm wirkt diese Technik jedoch total fehlplatziert. Die einzigen Parts, die tatsächlich für einen kurzen Lacher gut sind, sind die kreativen Todesarten, mit denen die Gefährlichkeit des wilden Westens einfallsreich illustriert wird – die meisten davon sind aber leider schon aus dem Trailer bekannt.

Diese kurzen Ausflüge in die Bereiche des Slapstick und der visuellen Komik sind zwar witzig, aber leider auch ziemlich hohl. Nahezu alle anderen Gags werden ausschließlich über die Dialogebene präsentiert und kaum durch visuelle Elemente rückgekoppelt. Das kann natürlich funktionieren, A Million Ways to Die in the West bietet allerdings wenig überzeugenden oder funkensprühenden Witz an, sondern begnügt sich damit, dieselben anfangs etablierten Witze beständig zu wiederholen.

Hinzu kommt die wenig innovative Kameraarbeit und die damit einhergehend langweilige Inszenierung der Dialoge. Das am häufigsten auftretende Bild in A Million Ways to Die in the West ist die Schuss-Gegenschuss-Konstellation, die vollkommen ohne Abwechslung oder narrativ rückgekoppelte Elemente auskommt. Zu der technisch uninteressanten Machart gesellt sich außerdem die vollkommen vorhersehbare und einfallslose Handlung, die zwar den klassischen Loser in die unbekannte Welt des wilden Westens versetzt, sonst aber keinen Unterschied zu üblichen Storys ähnlichen Kalibers macht.

© Universal Pictures

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Besonders ärgerlich ist die Rolle von Anna (Charlize Theron), die von ihrem gewalttätigen Ehemann unterdrückt wird. Im gesamten Film wird dann eindrücklich gezeigt, dass sie sich im Grunde problemlos von ihm befreien könnte. Immer wieder werden ihre überragenden Fähigkeiten im Umgang mit der Schusswaffe inszeniert, die sie dann offensichtlich beim Trainieren an den Loser Albert überträgt und selbst verliert. Vor dem finalen Kampf, bei dem sie hilfreich sein könnte, wird sie schlicht weggeschickt, um den Platz für den neuen Helden der Stunde zu räumen. Ein fieser Fall von Trinity Syndrome, der nicht nur absolut unnötig, sondern auch unlogisch ist.

Fazit: Das absolute Schweigen im Walde ist eine Zuschauerreaktion, die wohl für jede Komödie ein Todesurteil ist. A Million Ways to Die in the West versagt auf nahezu allen Ebenen, die Gags sind überwiegend deplatziert und zünden nicht, die Handlung ist vorhersehbar und einfallslos abgefilmt. Hinzu gesellen sich nahezu nicht vorhandene Schauspielqualitäten des Hauptdarstellers und Rollenbilder, die jenseits von Gut und Böse liegen. Ein Trostpunkt für die kreativen Todesarten im wilden Westen.

Bewertung: 1/10